# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 17 Geiſt, der Geiſt muß uns die Wahrheit lehren. So ſchreien die Neueren: Nein, nicht die Schrift, ſondern Chriſtus iſt der Grund des Glaubens. Da⸗ mit widerſprechen ſie aber geradezu Eph. 2.: „Erbauet auf den Grund der Apoſtel und Propheten“, d. h. auf das Zeugniß, auf die Schriften der Apoſtel und Propheten. Und gerade hiervon ſagen ſie: wer ſo lehrt, ver⸗ führt die Jugend; das ſei ein Sandgrund. O, es iſt dem böſen Feind ein großer Ernſt damit, uns den Grund des chriſtlichen Glaubens zu rauben. Es klingt zwar recht ſchön, wenn man ſagt: Nein! Chriſtus iſt der Grund des chriſtlichen Glaubens. Aber es iſt das nichts als eine groß⸗ artige Täuſchung. Es gibt ja keinen anderen Chriſtus, als den Chriſtus der Bibel. Nur inſofern haben wir Chriſtum, als wir ihn der Schrift entnehmen. Es iſt daher ganz erſchrecklich, ſo zu reden, wie die neueren Theologen. Wehe der Chriſtenheit, wenn dieſen Leuten nicht mit großem Ernſte entgegengetreten wird! So verwegen iſt doch früher niemand, wel⸗ cher für gläubig gelten wollte, geweſen, zu ſagen: „Nicht die Bibel iſt der Grund des chriſtlichen Glaubens.“ Das übertrifft alles, was jemals ge⸗ ſagt iſt von Solchen, die doch gläubig ſein wollten. Solange das nur Un⸗ gläubige ſagten, hatte es keine Gefahr. Aber jetzt reden es Solche, die Säulen der Kirche ſein wollen. Hieraus ſollen wir aber auch erkennen, wie wichtig es iſt, daß immer eine rechtgläubige Kirche beſtehe, die ſolchen Geiſtern wehrt. Der Chriſtus, der mir außer der Bibel vorgeſtellt wird, iſt nichts als ein Hirngeſpinſt; der allein wahre iſt der Chriſtus der zwölf Apoſtel. Es iſt daher auch wohl zu beachten, daß wir außer der Bibel ſehr wenig von dem HErrn Chriſto wiſſen. Aus jener Zeit, da die Apoſtel ſchrieben, haben wir ſonſt gar keine Berichte, denen Glaubwürdigkeit zukommt. Leichtfertig ſind auch die Beweiſe, welche die Dorpater für ihre ungeheuerlichen Sätze bringen. Eine Synode in den Oſtſee⸗Provinzen griff den obigen Satz Volck's an. Da ruft Volck aus: „Hat denn eine lutheriſche Synode Röm. 10, 17. nicht geleſen: „So kommt der Glaube aus der Predigt“? Daran dachte Volck gar nicht, ſich mit dem darauf⸗ folgenden Satz abzufinden: „Das Predigen aber durch das Wort Gottes.“ Aber gerade dies iſt ſehr wichtig. Denn was wird hiermit ausgeſagt? Der wahre Glaube kommt aus dem Wort, das gepredigt wird, aber nicht aus einer beliebigen Predigt, ſondern durch eine ganz beſtimmte, die näm⸗ lich Gottes Wort iſt. Eine Predigt iſt nur inſofern Glauben erzeugend, als ſie aus dem geſchriebenen Wort Gottes genommen iſt, nur ſofern ſie genau die Gedanken der Schrift wiedergibt. Auch auf Luther beruft ſich Volck. Luther habe ja das erſte Fünklein des Glaubens erlangt durch den tröſtlichen Zuſpruch eines Kloſterbruders. Aber weshalb waren denn die Worte des Kloſterbruders tröſtlich? Weil das Gottes Wort war, was der⸗ ſelbe ſagte. „Ich glaube eine Vergebung der Sünden“, iſt eine in der Schrift geoffenbarte Gotteswahrheit, gleichſam ein concentrirtes Evan⸗ [Im Exemplar handſchriftlich unterſtrichen: „Es gibt ja keinen anderen Chriſtus, als den Chriſtus der Bibel“; „Der Chriſtus, der mir außer der Bibel vorgeſtellt wird, iſt nichts als ein Hirngeſpinſt“; „Eine Predigt iſt nur inſofern Glauben erzeugend, als ſie aus dem geſchriebenen Wort Gottes genommen iſt, nur ſofern ſie genau die Gedanken der Schrift wiedergibt.“ Unten die Bogenſignatur „2“ nicht als Folio gerechnet.]