# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1886_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1886. 15 wird es alle Grundlagen des Chriſtenthums verlaſſen. Die frommen Reden, daß Gottes Wort in der Bibel ſei, bethören Viele. Aber es iſt ſolch Gerede nichts als ein Trug. Gibt es nur Einen Irrthum in der Bibel, den der Geiſt Gottes nicht ſelbſt als Irrthum bezeichnet hat, ſo iſt es um die Bibel geſchehen. Wenn mir Einer ein Buch empföhle und ſagte mir, darin ſteht Wahrheit und Irrthum, aber das mußt du ſelber heraus⸗ finden, ſo müßte ich glauben, er wolle mich nur zum Beſten haben. Und das um ſo mehr, wenn er ſagt: es iſt Gottes Wort darin. Was frage ich nach einer ſolchen Bibel, die Wahrheit und Irrthum unter einander ge⸗ mengt bringt! Eine ſolche Bibel würde ich in den Ofen ſtecken. Sie wäre ein ganz gefährliches Buch. Ich müßte ja immer fürchten, wenn ich ſagte: das iſt falſch, daß ich damit Gottes Wort verwerfen würde; oder umge⸗ kehrt, wenn ich etwas als göttliche Wahrheit annähme, und es wäre doch Menſchenwort, daß ich Abgötterei triebe. Darum iſt das nichts als eine verkappte völlige Verwerfung der heiligen Schrift, wenn man ſagt: Die Schrift enthält zwar Gottes Wort, aber ſie iſt nicht ſelbſt das Wort Gottes; ſie enthält das richtige Religionsſyſtem, aber daneben auch Fal⸗ ſches; und den Theologen als wiſſenſchaftlichen Männern liegt das Amt ob, nachzuſehen, was darin göttlich und was menſchlich iſt. Da können und dürfen wir nicht mitgehen, oder unſere Gemeinden müßten und wür⸗ den ſich von uns als Seelenmördern losſagen. O, es iſt erſchrecklich, was in unſerer Zeit zu Tage tritt! So weit iſt man jetzt gekommen, daß man es gerade heraus zu ſagen wagt: Im Grunde ſei die Bibel gar nicht für die Laien, ſie ſei gar nicht zum Erbauungsbuch beſtimmt; die wahre Religion ſei in der Kirche mündlich fortgepflanzt worden; obwohl die Bibel nichtsdeſtoweniger ein wichtiges Buch für die theologiſche Wiſſenſchaft ſei, denn an ihr habe man jedenfalls u. a. eine Urkunde, daraus man die Entſtehung und die derſelben gemäße Fortfüh⸗ rung der Kirche entnehmen könne. Bis jetzt hatten die modern gläubigen Profeſſoren es nur in ihren Hörſälen ihren Studenten geſagt, was ſie von der Bibel hielten; ſie fürchteten ſich vor dem Volke, von dem ſie für die Führer der Gläubigen angeſehen ſein wollten. Aber nun hat man in Dorpat offen vor dem Laienpublikum erklärt, die Bibel ſei eigentlich gar nicht für das Volk, ſondern für die Theologen, welche allein befähigt ſeien, ihren göttlichen Gehalt zu erforſchen. Ein ganz beſonders wichtiger Punkt iſt auch der, daß das geſchriebene Wort ganz gleich iſt dem durch die Apoſtel und Propheten geredeten Wort, wie dies oben ſchon dargethan iſt. Doch mögen hierfür noch folgende Stellen gemerkt werden. Abraham ſagt dem reichen Mann Luc. 16, 29.: „Sie haben Moſen und die Propheten; laß ſie dieſelbigen hören.“ Nun waren die Propheten aber gar nicht mehr da, ſondern längſt geſtorben. Daraus ſehen wir, daß die Juden auch dann die Propheten hatten, wenn ſie ihre Schriften laſen. Ferner heißt es Marc. 16, 15.: „Gehet hin in