# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S93 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 91 doch dazu der rechte Mann. So iſt uns die Miſſion von Gott nicht ange⸗ wieſen. Man ſtelle ſich doch das auch einmal nüchtern vor, wie es gehen würde, wenn wir irgend einen unſerer Candidaten oder Prediger zur Miſſion unter den Heiden aufmunterten und ſchickten ihn nun in eine Stadt oder Land in Japan. Was ſoll denn der da nun thun? Er kann nicht auftreten und predigen. Er kennt ja die Sprache gar nicht. Er hat Jahre lang zu thun, nur die Sprache zu erlernen, und während deſſen ſteht er müßig da und verliert alle Luſt und Freudigkeit. Wir haben immer und dann zum Theil mit gutem Erfolg miſſionirt, wenn Gott uns eine Thür aufthat; wie das unſere Innere, Neger⸗ und Judenmiſſion beweiſt. Hier hat uns nun Gott die Arbeit angewieſen und daran haben wir vorläufig völlig genug zu thun. Nur dann könnten wir es getroſt wagen, mehr Steuern von unſeren Gemeinden zu erbitten, wenn Gott uns deutlich zeigt: Hier iſt ein Mann, der paßt für dies oder jenes heidniſche Volk, den ſendet aus. Was wäre das aber für eine ſeltſame Ausübung des göttlichen Befehles Chriſti: „Gehet hin in alle Welt“ ꝛc., wenn wir hier in Amerika um unſere armen Einwanderer oder um die Neger uns nicht kümmerten, wie das andere ſogenannte lutheriſche Kirchen⸗ gemeinſchaften bisher nicht gethan haben, und derweilen nach Oſtindien unſere Blicke richteten und dort arbeiten wollten? Nein, was Gott uns vor die Thür legt, das ſollen wir erſt thun. Der reiche Mann hätte doch gewiß damit keine Liebe geübt an ſeinem Nächſten, wenn er, während er den armen Lazarus vor ſeiner Thür verhungern ließ, zwei Meilen weiter einem armen Kranken Hülfe angedeihen ließ. Nein, hier an dem Lazarus ſollte er es zunächſt, zuerſt und vor allen Dingen thun. Und wo ſteht denn geſchrieben, wie viele Meilen man in alle Welt gehen ſoll? Helfen wir alſo mit allen unſeren Kräften den hieſigen ver⸗ wahrloſten Glaubensgenoſſen, den Juden und Negern, ſo folgen wir dem Wort des HErrn. Und dazu kommt, daß wir nicht da eingreifen dürfen, wo ſchon andere chriſtliche Miſſionsgeſellſchaften arbeiten, wenn ſie auch nicht rechtgläubig find. Anderwärts, wo noch Niemand arbeitet, hat ſich uns bis jetzt keine Thür aufgethan. Wir legen hier fürwahr die Hände nicht in den Schooß. Iſt doch auch unſere Negermiſſion zum Theil Heidenmiſſion. Wir ſind jetzt gerade eifrig dabei, auch in die großen Länderſtrecken von Miſſiſſippi und Louiſiana zu ſolchen Negern zu dringen, die noch kein Wort Gottes je gehört haben, wie das aus Zeitungsberichten deutlich hervorgeht. Darum laſſe man ſich nicht irre machen, daß unſere Arbeit vor der Welt kein ſo großes Anſehen hat, als wenn wir in China oder Oſtindien Miſſion trei⸗ ben. Das iſt gar nicht die Art der Kirche, daß ſie ſo viel Geſchäftliches treibt, ohne darauf zu merken, ob Gott es ihr gerade ſo heißt. Damit ſoll aber nicht geſagt ſein, daß Niemand mehr Gaben ſpeciell für Heidenmiſſion geben ſoll. Man dämpfe das ja nicht. Aber man ſage