# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S248 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 248 Welch' eine theure Gabe Gottes wir an unserer Synodalgemeinschaft haben. fahrenen und im Bekenntniß der Kirche wohlgegründeten Mann, der auch weiß, was er soll, und mit allem Ernst will, was er soll. Unter solchem Haupt zu einem gliedlichen Ganzen vereinigt, wie würden die Brüder durch gemeinsames Forschen in der Schrift und sich Einleben in die Lehre der Kirche durch gemeinsames Gebet, gemeinsames Besprechen alles dessen, was im engern und weitern Kreise der Kirche sich ereignet oder Noth thut, durch gemeinsames, von einem Geist getragenes Handeln für die Ehre Gottes des Herrn und gemeinsames Einstehen für das, was von ihnen darin geschieht, durch gemeinsame brüderliche Tröstung und Zucht, wie würden sie durch Alles dieses der rationalistischen Verflachung, der Verkümmerung und Verdumpfung und Verweltlichung der Ihrigen einen unüberwindlichen Damm entgegensetzen! Gehen wir aber noch einen Schritt weiter: denken wir uns über eine gewisse Zahl von Superintendenten dann als deren Bischof einen Kreis⸗Superintendenten gesetzt, der zu jenen in genau demselben Verhältniß stände, wie sie selber zu ihren Pastoren, und das ganze dann unter dem General⸗Superintendenten, als dem Bischof der Kirchenprovinz vereinigt: so würde die nothwendige persönliche Leitung der Kirche eine geordnete und durchgreifende sein, das uralt apostolische Episcopalsystem würde alsdann, nicht nach Weise der römischen Hierarchie, sondern in einer der evangelischen Lehre entsprechenden Reinheit kraftvoll hervortreten; der gesammte zur Seelsorge berufene Lehrstand würde dann einen geistlichen, wohlgegliederten Leib bilden. Und in diesem geistlichen Leibe, dessen Haupt unser Herr ist: Welche lebendige Strömung des Blutes von den innern Theilen nach den äußeren, und zurück von den äußern nach den innern! Welches Auf⸗ und Niedersteigen der Kräfte, ein Schöpfen von unten her, ein Empfangen von oben her! Wie lückenhaft, wie zertrennt, wie sehr dem Subjectivismus verfallen erscheint, dagegen angesehen, der jetzige Zustand! — Je mehr aber jeder einzelne Pastor aus dem Gefühl der Vereinzelung und des Alleinstehens herauskäme, zu einem kräftigen kirchlichen Bewußtsein gelangte, und in einer gewissen Gebundenheit, die für alle fruchtbringende Entwicklung nothwendig ist, in sich immer mehr und mehr erstarkte: je deutlicher würde sich dies in seiner Amtsthätigkeit abspiegeln. Was in ihm selbst zuvor Fleisch und Blut geworden ist, muß naturgemäß auch in der Gemeinde zur Gestaltung kommen. Es würde eine bessere kirchliche Durchbildung der Gemeinden zu Stande kommen. Diese Durchbilbildung ist aber nothwendig, damit zweien großen Uebeln, dem todten kirchlichen Liberalismus wie einem einseitigen Pietismus die Wurzel abgeschnitten werde, und damit die Kirche ihre heiligende Macht in rechter Ausübung der Zucht wieder gewinne. — ————◆————