# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S247 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Welch' eine theure Gabe Gottes wir an unserer Synodalgemeinschaft haben. 247 oft von ihm außerordentlich weit entfernte Pastoren, über die er gesetzt ist; dazu die zahllosen Schulvisitationen, die täglich zu bewältigenden Actenstöße, bei deren bloßem Anblick den in solche Geschäftsarbeit uneingeweihten Grauen befällt, und über das Alles und vor dem Allen der Dienst in der eigenen Gemeinde. So lange darin nicht eine wesentliche Aenderung getroffen wird, kann man sich da wohl wundern, will man billig denken, wenn sie höchstens dafür sorgen, daß äußerlich Alles so ziemlich nach rechter Ordnung fortgehe? Jetzt lernt ein Superintendent seine Pastoren mit der Zeit nothdürftig so weit kennen, um ein Urtheil über sie abzugeben, denn dazu genügen die dreijährlichen Visitationen, die jährlichen Synodal⸗Conferenzen, die sonstigen zufälligen Begegnungen, die guten und bösen Gerüchte. Aber von einer fortdauernden Einwirkung auf die Einzelnen, einer seelsorgerischen Leitung ist und kann gar nicht die Rede sein. Das ist jedenfalls ein Wurzelschaden in unserer Kirche, der seine bösen Früchte schon immer getragen hat. Aber es ist glücklicher Weise ein Schaden, dem man ohne zu große Schwierigkeiten abhelfen kann. Wären die Synoden kleiner, dem Zweck angemessener eingerichtet, so würde dadurch eine stetige Verbindung des Superintendenten mit dem Einzelnen Pastor ermöglicht, außerdem aber noch etwas Anderes erreichbar, wovon zur Zeit kaum eine schwache Spur in unserer Kirche vorhanden ist und was doch für eine gesunde, kräftige Gestaltung der Kirche höchst nothwendig sein möchte: nämlich oftmalige Zusammenkünfte der Synode unter Leitung des Superintendenten zu gemeinsamer Arbeit im Dienst der Kirche. Solche Synodal⸗Versammlungen werden durch die hin und her bestehenden und durch vorhandenes Bedürfniß hervorgerufenen freien Zusammenkünfte von Geistlichen zu geselligen oder theologischen Zwecken durchaus nicht ersetzt; denn es geht diesen letzteren ein wesentliches Moment ab. Nämlich sie können, weil sie nur zufällig und willkührlich zusammengesetzt sind und von Amtspflicht und Amtsrecht zur Mitgliedschaft durchaus absehen müssen, nicht das Bewußtsein erwecken, daß sie ein berufenes Glied und Organ der Kirche sind; und die Wirkung muß ihnen gänzlich abgehen, daß ihre Mitglieder gleichsam zu einer organischen Einheit zusammenwachsen, zu einem Stück des Kirchenregiments, soweit dies überhaupt dem Lehrstande zukommt. Das aber würde die nothwendige Folge solcher Synodal⸗Versammlungen sein; regen sie doch jetzt schon in ihrer höchst dürftigen Gestalt dazu einigermaßen an, und wenn es auch nur in abstrakter Form geschieht: was würden nicht erst die rechten Synodal⸗Gemeinschaften bewirken, wenn sie jene schwache abstrakte Form mit concretem, lebenskräftigem Inhalt erfüllten! Man denke sich nun als Haupt — und nun nicht mehr formale, sondern reale Haupt solcher kleinen Körperschaften einen Mann voll Geist und Gnaden, an dem wahr geworden ist das schöne Wort: pectus est quod theologum facit, non gloriae sed crucis; einen Mann, der nicht halbgläubig, wie ein schwankendes Rohr von jedem Wind der Lehre sich wägen und wiegen lässet: sondern einen er⸗