# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S76 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 74 Verhandlungen der zehnten Verſammlung (provocamus), auf Weiſe und Maß, wie Dr. Luther in der lateiniſchen Vorrede über ſeine zuſammengedruckten Bücher von ſeinen Schriften ſelbſt nothdürftige und chriſtliche Er⸗ innerung gethan, und dieſen Unterſchied ausdrücklich geſetzt hat, daß alleine Gottes Wort die einige Richtſchnur und Regel aller Lehre ſein und bleiben ſolle, welchem keines Menſchen Schriften gleich geachtet, ſondern demſelben alles unterworfen werden ſoll.“ (Wiederholung. Von dem ſummariſchen Begriff ꝛc. S. 570 f.) Hier provociren die Bekenntniſſe auf die Lehr⸗ und Streitſchriften Luthers. Aber wie? „Auf Weiſe und Maß, wie Dr. Luther in der latei⸗ niſchen Vorrede über ſeine zuſammengedruckten Bücher von ſeinen Schrif⸗ ten ſelbſt nothdürftige und chriſtliche Erinnerung gethan“ ꝛc. Wohl iſt es wichtig, daß wir alle Schriften Luthers haben. Als man dieſelben ſam⸗ meln und herausgeben wollte, ſagte man mit Recht: Es ſoll alles hinein, auch was Luther als Mönch geſchrieben hat. Es geſchah dies aber nicht deswegen, weil ſeine früheren Schriften den ſpäteren gleich wären, ſondern damit man ſehen könnte, wie er nach und nach erleuchtet worden iſt. Luther hätte freilich lieber geſehen, man hätte alle ſeine Schriften in den Ofen ge⸗ ſteckt, wie er in ſeiner Demuth und in ſeinem Eifer für Gottes geſchriebe⸗ nes Wort ſagt, aber er gab doch endlich nach und dachte: es iſt doch wohl gut, wenn alles gedruckt wird, damit man ſpäter ſehe, auf welchem Wege er das geworden ſei, was er war und iſt. Um ſo wichtiger aber iſt es, daß unſer Bekenntniß ſich nicht abſolut zu allem, was Luther je geſchrieben hat, ſondern, Luthern ſelbſt hierin folgend, nur zu den Schriften bekennt, in welchen er, endlich frei von allem papiſtiſchen Sauerteige, als ein wah⸗ rer Reformator in allen Artikeln des Glaubens die reine der Schrift ent⸗ nommene Wahrheit dargelegt hat. Doch auch was dieſe Schriften betrifft, ſoll ein rechter Lutheraner Luthern nicht darum folgen, weil es Luther ge⸗ lehrt, ſondern weil er es ſo überzeugend aus Gottes Wort begründet hat. Daher denn Luther ſelbſt, nicht nur in Betreff ſeiner erſten Schriften, alſo ſchreibt: „Ich bitte aber den chriſtlichen Leſer vor allen Dingen und bitte ihn um unſers HErrn JEſu Chriſti willen, daß er dieſelben ganz bedächtig⸗ lich und mit großem Mitleiden leſen wolle, und wiſſen, daß ich vor dieſer Zeit ein Mönch und der rechten unſinnigen Papiſten einer geweſen ſei, der im Anfang dieſer Sachen ſo voll und trunken, ja, ſo gar in des Pabſts Lehre erſoffen, daß ich bereit wäre geweſen zu ermorden, wo es in meiner Macht geſtanden, oder hätte zum wenigſten Gefallen daran gehabt und dazu geholfen, daß ermordet worden wären alle diejenigen, ſo dem Pabſt auch in den geringſten Syllaben nicht hätten Gehorſam leiſten wollen. Ein ſolcher eifriger Saulus war ich dazumal, wie noch heutiges Tages viel ſind; und war mit Nichten ſo gar eiskalt und erfroren, das Pabſtthum zu vertheidigen, wie Eck und ſeines Gleichen geweſen, daß ich mich dünken ließ, daß ſie mehr ihres Bauchs halben den Pabſt verfochten, denn daß ſie