# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S74 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 72 Verhandlungen der zehnten Verſammlung wählt. Das iſt aber exact die Lehre unſerer Gegner, die das Intuitu fidei der Dogmatiker zu der Lehre gottloſerweiſe mißbrauchen, daß uns Gott in Anſehung unſeres Verhaltens erwählt habe. Vor ſolcher Teufelslehre be⸗ wahre uns Gott in Gnaden, denn damit würden wir dem HErrn JEſu ſeine Ehre nehmen und uns zu unſeren eigenen Heilanden und Seligmachern machen.) „Denn wenn ſie darum erwählt geweſen wären, weil ſie geglaubt hätten, ſo hätten ſie ihn allerdings vorher erwählt, indem ſie an ihn glaub⸗ ten, damit ſie verdienten erwählt zu werden. Dieſes hebt aber Chriſtus durchaus auf, der da ſpricht: ‚Ihr habt mich nicht erwählt, ſondern ich habe euch erwählt.‘ Zwar haben auch ſie ihn ohne Zweifel erwählt, als ſie an ihn glaubten. Daher er um keiner anderen Urſache willen ſagt: ‚Ihr habt mich nicht erwählt, ſondern ich habe euch erwählt‘, als weil ſie ihn nicht erwählt haben, damit er ſie erwähle, ſondern weil er, damit ſie ihn erwählen, ſie erwählt hat; weil ſeine Barmherzigkeit ihnen zuvorkommt nach Gnade, nicht nach Schuldigkeit.“ (L. c. c. 17.) Auguſtinus ſchreibt ebendaſelbſt endlich: „Jener Berufung, von welcher geſagt iſt: ‚Gottes Gaben und Berufung mögen ihn nicht ge⸗ reuen‘, und von welcher es heißt: ‚Nicht aus den Werken, ſondern aus dem Berufenden‘ (Röm. 9, 12.), da er hätte ſagen können: ſondern aus dem Glaubenden; und jener Erwählung, welche der HErr meint, wenn er ſpricht: ‚Ihr habt mich nicht erwählt, ſondern ich habe euch erwählt‘, geht ſelbſt der Glaube nicht voraus. Denn nicht weil wir geglaubt haben, ſondern damit wir glauben, hat er uns erwählt, damit es nicht von uns heiße, daß wir ihn zuerſt erwählt haben und daß es falſch ſei (was zu behaupten ferne von uns ſei), was der HErr ſagt: ‚Ihr habt nicht mich erwählt, ſondern ich habe euch erwählt.‘ Wir werden auch nicht berufen, weil wir geglaubt haben, ſondern damit wir glauben.“ (L. c. cap. 19.) Auguſtinus ſchreibt in ſeinen Widerrufsbüchern vom Jahre 426: „Aus dem prophetiſchen Zeugniß: ‚Jakob habe ich geliebet, aber Eſau habe ich gehaſſet‘, zog ich den Vernunftſchluß, daß ich ſagte: ‚Gott hat alſo Niemandes Werke, die er ſelbſt geben will, in Vorauswiſſen erwählt; aber den Glauben hat er in Vorauswiſſen erwählt, ſo daß er den, von welchem er vorauswußte, daß er ihm glauben werde, ihm den Heiligen Geiſt zu geben erwählte, damit er Gutes thuend auch das ewige Leben er⸗ lange.‘ Ich hatte nämlich nicht ſonderlich fleißig nachgeforſcht, noch bis dahin gefunden, welcherlei die Wahl der Gnade ſei, von welcher derſelbe Apoſtel ſagt: ‚Die Uebergebliebenen nach der Wahl der Gnade ſind ſelig geworden.‘“ (Retract. lib. I. § 23.) Das war alſo die Urſache ſeines Irrthums geweſen, weil er noch nicht erkannt hatte, daß der Glaube ein reines Werk der göttlichen Gnade iſt. Daher kam er zu dem Irrthum, daß wohl die Wahl nicht in Anſehung un⸗ ſerer guten Werke, aber doch in Anſehung des Glaubens geſchehen ſei.