# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S73 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 71 von welchem er gewußt, daß er glauben werde.‘ Siehe Buch I. ſeiner ‚Re⸗ tractationen‘, Capitel 23., und das Buch ‚von der Prädeſtination der Heili⸗ gen‘, Capitel 3.“ (Loc. de electione, § 166.) Gerhard wollte alſo zwar nicht ſo reden, wie Auguſtinus, es gefiel ihm das Intuitu fidei beſſer, aber er ſagt dennoch, Auguſtinus habe ſo wegen der Semipelagianer oder Synergiſten geredet und das ſei recht geweſen. Wie wenig Recht haben alſo unſere Gegner, wenn ſie ſich auf Gerhard berufen! Auguſtinus hat, wie Gerhard oben erwähnt, eine Schrift geſchrieben: „Erklärung einiger Sätze aus dem Brief an die Römer.“ In dieſer Schrift hatte er irrthümlich Folgendes geſagt: „Daß Gott im Vorauswiſſen erwählt habe, ſo daß er denjenigen erwählt habe, von welchem er gewußt, daß er glauben werde.“ Und das hat er ſpäter widerrufen. So ſchreibt er nämlich in der zuletzt angeführten gegen die Semipela⸗ gianer gerichteten Schrift vom Jahre 428: „Cyprian hat den Ausſpruch gethan: ‚In Nichts darf man ſich rühmen, ſintemal nichts unſer iſt.‘ Und um dies nachzuweiſen, hat er den Apoſtel zum Zeugen aufgerufen, der da ſagt 1 Cor. 4, 7.: ‚Was haſt du aber, das du nicht empfangen haſt? So du es aber empfangen haſt, was rühmeſt du dich denn, als der es nicht empfangen hätte?‘ Und namentlich durch dieſes Zeugniß bin auch ich ſelbſt überzeugt worden, als ich in ähnlicher Weiſe irrte, indem ich meinte, daß der Glaube, vermöge deſſen wir an Gott glauben, nicht Gottes Gabe, ſondern von uns in uns ſei und daß wir durch denſelben Gottes Gaben erlangen, züchtig, gerecht und gottſelig zu leben in dieſer Welt.“ (Auguſtinus hatte alſo auch erſt gedacht: der Menſch müſſe ſelber aus ſeinem freien Willen den Glauben annehmen, dann werde ihm Gott helfen und ihn auch heiligen; wenn Gott freilich, hatte er gemeint, dem Menſchen das Evangelium nicht gegeben hätte, ſo hätte auch der Menſch allerdings nicht aus eigenen Kräften glauben können; aber da er's gegeben, ſo könne er das wohl. Dies hatte Auguſtinus jedoch geſchrieben, ehe er Biſchof zu Hippo in Nordafrika wurde.) „Denn ich hielt auch nicht dafür, daß Gottes Gnade dem Glauben zuvorkomme, damit uns durch denſelben gegeben werde, was wir verlangten, außer, ſofern wir nicht glauben könnten, wenn die Verſtändigung der Wahrheit nicht vorher⸗ ginge; ich hielt aber dafür: daß wir dem uns gepredigten Evangelio zu⸗ ſtimmen, das ſei unſer Eigenes und das hätten wir aus uns. Dieſen mei⸗ nen Irrthum belegen genugſam einige meiner, ehe ich Biſchof wurde, ge⸗ ſchriebenen Büchlein.“ (L. de praedestinatione Sanctorum, c. 3.) Weiter unten ſchreibt Auguſtinus in derſelben Schrift: „Der HErr ſpricht: ‚Ihr habt mich nicht erwählet, ſondern ich habe euch erwäh⸗ let‘ (Joh. 15, 16.). (Dieſe Worte hatten Auguſtinus ſonderlich klar ge⸗ macht. Da ſahe er, wenn der Menſch in Anſehung ſeines Glaubens von Gott erwählt würde, ſo hätte er ja vorher Gott erwählt, ehe Gott ihn er⸗