# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S72 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 70 Verhandlungen der zehnten Verſammlung und verlieren; wie es geſchehen iſt unter dem Pabſtthum.“ (Von den Conciliis und Kirchen vom Jahre 1539. XVI, 2629 f.) Alſo auch der heilige Bernhard wollte nichts wiſſen von den unge⸗ ſchriebenen Traditionen. Denn fürwahr, wenn ich an der Quelle ſtehe, ſo werde ich nicht hinunter ſteigen zum Bach, um zu trinken, denn an der Quelle iſt das Waſſer am reinſten und friſcheſten. Aber umgekehrt, wenn ich am trüben Bache ſtehe, ſo benutze ich den Bach als Führer, um ihm ent⸗ lang bis hinauf zur Quelle zu gelangen. So iſt die Bibel die Quelle, aus der wir ſchöpfen ſollen in vollen Zügen, aber die menſchlichen Schriften ſollen wir für Bächlein anſehen, die uns hinauf zur Schrift leiten ſollen. Dann allein haben wir jene recht gebraucht, wenn wir ſie nur als Bächlein benutzt haben, zur Quelle zu kommen. Das ſoll denn unſere Sorge ſein, auch in dieſer unſerer traurigen Zeit, daß es uns nicht wieder gehe, wie im Pabſtthum, und wir nicht den Bächlein abwärts folgend endlich mit un⸗ ſerem Glaubens⸗Schifflein hinein gerathen in das ſalzige Meer menſchlicher Meinungen. Endlich wollen wir noch ein Zeugniß von Gerhard hören, das ſpe⸗ ciell unſeren Streit berührt, wie nämlich Auguſtinus in der Wahllehre ge⸗ ſtanden hat. Gerhard ſchreibt: „Was die Meinung der Alten betrifft, ſo wiſſen wir, daß Auguſtinus in ſeinem Buche ‚Von der Prädeſtination der Heiligen‘ im 17. Capitel ſchreibt: ‚Daß Gott die Gläubigen erwählt habe, aber damit ſie es ſeien, nicht weil ſie es ſchon waren; daß die Menſchen nicht glauben, damit ſie erwählt werden, ſondern daß ſie vielmehr erwählt werden, damit ſie glauben‘; und im 19. Capitel: ‚Nicht weil wir geglaubt haben, ſondern damit wir glauben, hat er uns erwählt, damit wir nicht ſagen, daß wir ihn zuerſt erwählt haben.‘“ (Man merke ſich dieſe Gegen⸗ ſätze. Gerhard citirt dies als einen Einwurf gegen ſeine eigene Lehre.) „Aber dieſes und Aehnliches iſt den Semipelagianern oder den Ueber⸗ bleibſeln der Pelagianer entgegengeſetzt.“ (Pelagianer ſind die groben Ketzer, die da ſagten: Der Menſch kann aus eigenen Kräften alles thun, was er ſoll. Die Semipelagianer dagegen lehrten: Gott müſſe zwar den Anfang machen, aber das Vollbringen ſtehe beim Menſchen, oder umgekehrt, der Menſch müſſe zwar den Anfang machen, aber das Vollbringen ſei Got⸗ tes Sache.) „Denn jene waren der Meinung, daß der Anfang des Glau⸗ bens aus uns und daß daher der Glaube die verdienſtliche Urſache der Er⸗ wählung ſei. Und daß dies ihre eigentliche Meinung geweſen ſei, erhellt aus den Briefen Prospers und Hilarius' an Auguſtinus, welche ſich im 7. Tomus befinden. Auguſtinus widerſetzte ſich ihnen daher mit Recht und leugnete, daß der Glaube die Urſache der Wahl ſei, ja, er widerrief auch, was er in ſeiner eigenen ‚Erklä⸗ rung einiger Sätze des Briefes an die Römer‘ geſchrieben hatte: ‚Daß Gott im Vorauswiſſen erwählt habe, ſo daß er denjenigen erwählt habe,