# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S71 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 69 erleuchteter hielten als die Dogmatiker. Nein, es geſchieht nur, weil uns die Schrift höher ſteht.) „Wenn du daher, was du aus ſeiner Schrift an Jubaianus angeführt haſt, aus einer kanoniſchen Schrift der Apoſtel oder Propheten anführen würdeſt, ſo würde ich dagegen ſchlechterdings nichts zu erwiedern haben. Weil nun aber, was du anführſt, nicht kanoniſch iſt, ſo nehme ich nach der Freiheit, zu welcher uns der HErr berufen hat, ſelbſt das nicht an, was ein Mann davon Abweichendes angenommen hat, deſſen Lob ich nicht zu erreichen vermag, mit deſſen vielen Schriften ich die meini⸗ gen nicht vergleiche, deſſen Ingenium ich hochachte, an deſſen Rede ich mich ergötze, deſſen Liebe ich bewundere, deſſen Märtyrertod ich verehre.“ (Contra Crescorianum Grammaticum partis Donati. Lib. II. c. 31. 32. Vid. Opp. ed. a Benedict. Tom. XII, p. 543 sq.) Ein wahres leuchtendes Beiſpiel eines demüthigen, aber in Sachen des Glaubens Gott allein unterthänigen Chriſten! Dr. M. Luther hat es nächſt Gott dem Auguſtinus zu verdanken, daß auch er gerade ſo ſtand. Derſelbe ſchreibt: „Wie und warum Origenes, Hieronymus und etliche mehr Väter dieſen Spruch: ‚Der Buchſtabe tödtet, der Geiſt macht lebendig‘, auch alſo gezogen und gezwungen haben, laſſe ich jetzt anſtehen; ſie haben wohl mehr Sprüche alſo gezogen, den Juden und Ketzern zu wehren, wie das jedermann öffentlich weiß und weiſen kann. Aber das ſoll man ihnen zu Gut halten und darin nicht folgen, wie die unreinen Thiere thun, die keinen Unterſchied haben in der Väter Werk und Lehre, raffen alles auf, was ſie finden, ſo lange bis daß ſie ihnen folgen nur in den Stücken, da die lieben Väter als Menſchen geſtrauchelt, und laſſen ſie fahren, da ſie wohl gehandelt haben; wie ich leichtlich be⸗ weiſen wollt in allen Lehren und Leben, die jetzt die Allerbeſten gehalten ſind.“ (Antwort auf das überchriſtliche ꝛc. Buch Bocks Emſers. Vom Jahre 1521. XVIII, 1606.) Luther urtheilt aber nicht nur ſo beſcheiden von den Kirchenvätern der Reihe nach bis in's ſechste Jahrhundert; ſelbſt die Lehrer des ſogenannten Mittelalters, die nicht mehr Kirchenväter, ſondern Scholaſtiker (ſ. g. Schul⸗ lehrer, d. i. Profeſſoren an Univerſitäten) genannt werden, beurtheilt er in derſelben Weiſe. Ein ſolcher Scholaſtiker war z. B. St. Bernhard, ein frommer Mönch, ein Mann von tiefer Erfahrung in ſeinem Umgang mit dem Heilande, ein wahrhaft frommer heiliger Mann, der in der finſter⸗ ſten Zeit, im 12. Jahrhundert, wie ein Stern leuchtet. Von ihm ſchreibt Luther u. a.: „St. Bernhard (geſtorben 1153) ſpricht, er wolle lieber aus dem Born ſelbſt, weniger aus dem Bächlein trinken. Wie denn alle Menſchen thun; wo ſie aus der Quelle mögen trinken, der Bächlein wohl vergeſſen, ohne daß ſie des Bächleins zum Born zu kommen nützlich brauchen. Alſo muß doch die Schrift Meiſter und Richter bleiben; aber wo man den Bächlein zu ſehr nachgehet, führen ſie uns zu weit vom Born, und verlieren beide, Schmack und Kraft, bis ſie in das geſalzene Meer ſich verfließen