# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S68 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 66 Verhandlungen der zehnten Verſammlung niedergeſchrieben ſind, da ſie auch nicht in ſolchem Kampfe um dieſe Lehre ſtanden, wie wir. Aber nun ſollen nicht auch wir fortfahren, etwas unbe⸗ dacht zu reden, und doch auch nicht jene Lehrer zu Ketzern machen, ſondern eben nur ſagen: Hier haben die theuren Männer oft etwas unbedacht ge⸗ redet.) „Und daher verſuchte er auch, vieles, was die Alten zu unbequem ausgeſprochen hatten, durch eine bequeme Auslegung zu corrigiren. Denn oft verdammt und verwirft er aus der Schrift an den Ketzern jene Ausſprüche, welche man bei den Vätern mit ebenſoviel Worten lieſt.“ (Das iſt überaus wichtig. Auguſtinus verdammte Sätze an den Ketzern ſeiner Zeit, die ſich ſchon wohl hundert Jahre vorher bei reinen Lehrern fanden! Darnach ſollen wir alſo nichts fragen, wenn Jemand jetzt uns zuruft: Wie kannſt du das verdammen? Steht's nicht in dem und dem Buche? Nein! es iſt ein großer Unterſchied, wenn du jetzt ſagſt: ‚Wir ſind in Anſehung des Glaubens erwählt‘, als wenn jene Dog⸗ matiker das ſagten, da noch kein ſolcher Streit war und wo jeder es zum Beſten deutete. Jetzt darf man das keinem unſerer Lehrer zum Beſten deuten. Gerade dadurch iſt die Kirche in ſo tiefes Verderben gerathen, daß man gerade das Verkehrte in den Schriften der Väter für etwas ganz Köſtliches angeſehen hat.) „Er iſt auch nicht nur in fremden Schriften ein ſolcher Cenſor, ſondern er hat auch über ſeine eigenen Schriften zwei Widerrufsbücher aufgeſetzt.“ (Da ſehen wir, was für ein redlicher Mann Auguſtinus war. Er hatte eine Reihe von Jahren hindurch herrliche Schriften geſchrieben, die durch die ganze Chriſtenheit liefen; man ſchrieb ſich dieſelben ab, ſie gingen von Land zu Land. Jeder Biſchof wollte ſie gleich haben, ſobald ſie erſchienen waren. Aber Auguſtinus ließ ſich nicht beweihrauchen durch großes Lob. Er ſchrieb vielmehr nun zwei ganze Bücher, die den Titel führen: Retractationum libri duo d. i. zwei Bücher von Widerrufen. Dieſelben werden gewöhnlich bei Herausgabe ſeiner gan⸗ zen Werke zu allererſt geſetzt. Darin geht er alle ſeine Schriften durch und widerruft, was geradezu falſch iſt, und was man mißdeuten könnte, das ſtellt er zurecht. Das ſind gute Lehrer, die das thun. Er ſah ſelber mit Schrecken, was er für Verkehrtes geſchrieben hatte, und wollte nicht eher aus der Welt gehen, ehe er das widerrufen hatte. So hat er uns durch ſein eigenes Beiſpiel gelehrt, daß man nicht ohne Weiteres, ohne Prüfung, die Schriften der Väter annehmen ſoll. Er litt nicht, daß man ſeine Worte anführte, um damit jener falſche Lehre zu begründen.) „Und ſo lernt man aus Auguſtin, mit welchem Bedacht und mit welcher Unparthei⸗ lichkeit die Schriften der Väter geleſen werden müſſen. Denn fürs Erſte ſucht er aus der Schrift die wahre Meinung. Sodann legt er, wenn die Väter an dem Fundament feſthielten, ihre Ausſprüche aufrichtig nach der Glaubensähnlichkeit aus, auch wenn ſie etwas Unbequemes haben. Aber er leidet nicht, daß ſie dem Fundament entgegengeſetzt werden. Be⸗ trifft aber der Irrthum das Fundament, wie Cyprianus von der Taufe, ſo