# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S67 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 65 Wir ſehen alſo, daß der heilige Cyprian zwar auch von einer Tradition redet, aber darunter das verſteht, was in den Evangelien, in der Apoſtel⸗ geſchichte und in den Briefen der Apoſtel überliefert iſt. Was dieſe be⸗ trifft, iſt er bereit, ſich ihr zu unterwerfen; aber Hartſinn und Anmaßung nennt er es, ihn an menſchliche Traditionen binden zu wollen. Wir dürfen uns alſo nicht irre machen laſſen, wenn die Jeſuiten ſagen, daß ſchon die älteſten Kirchenväter die Tradition anerkannt haben. Denn wir ſehen hier, wenn ſie von anzunehmenden Traditionen reden, ſo meinen ſie die Schrift, denn Tradition heißt ja Ueberlieferung. Jetzt verſtehen aber die Papiſten etwas ganz Anderes unter Traditionen, ſie verſtehen darunter nicht das geſchriebene Wort der Apoſtel und Propheten, ſondern das, was als von Chriſto oder den Apoſteln kommend von Mund zu Mund neben der Schrift überliefert und zum Theil von den Kirchenvätern in ihre Schrif⸗ ten aufgenommen worden ſei. Gerade von dieſen aber ſagt Cyprian, daß man ſich ihnen nicht unterwerfen ſolle, ſondern allein der Ueberlieferung der heiligen Schrift. Die Lehre der Papiſten von der Tradition iſt daher eine neue Lehre, angenommen vom Antichriſt, der damit dem Gericht der heiligen Schrift entgehen will. Auguſtinus war ohne Zweifel der größte Lehrer der alten Kirche, den Luther auch am meiſten ſtudirt hat, da er ja ein Auguſtinermönch war. Dieſer Mann hatte betreffs des Evangelii das meiſte Licht der Erkenntniß unter allen Kirchenvätern. Von ihm ſchreibt Chemnitz: „Unter den Kirchenvätern gebührt nach dem Urtheil aller Gelehrten dem Auguſtinus die Palme, es iſt aber zu bedenken, warum und in welchen Dingen. Sein Leben fiel in jene Zeiten, in welchen viele Streitigkeiten über vornehmliche Artikel des Glaubens erregt wurden, und da alle Kirchen auf ihn ſahen, war er gezwungen, Widerlegungen entgegenzuſetzen und den Grund der rechten Meinung aufzuſuchen.“ (Denn ſobald Auguſtinus auftrat, merkte die Chriſtenheit, daß ihr in ihm ein großes Licht aufgegangen war; ſeine Schriften ſtrahlten hell. Man ſagte alsbald: Das iſt der rechte Mann, der wird alle Ketzer aus der Kirche hinausfegen. — Wir beſitzen zehn große Folianten ſeiner herrlichen Schriften.) „Und daher iſt es geſchehen, daß er nicht nur vollſtändige Auseinanderſetzungen über viele Artikel hat, ſon⸗ dern daß er auch viel eigentlicher und bequemer die wahre Meinung der Kirche vorlegt und erklärt, als die übrigen Väter, welche, da dieſe Disputa⸗ tionen noch nicht erregt waren, oft etwas unbedacht redeten, wie Auguſtinus ſelbſt ſagt.“ (Alſo auch die allererſten Kirchenväter haben etwas unbedacht, securius, etwas zu ſicher, zu unbeſorgt geredet, wodurch man leicht auf falſche Gedanken kommen kann. Auch wir ſtehen jetzt in einem ſo erſchrecklichen Streit, wie er über die Gnadenwahl noch nicht in der lutheriſchen Kirche geführt worden iſt. Da dürfen wir uns denn auch nicht wundern, wenn wir dabei finden, daß manche mißleitende Ausdrücke über dieſe Lehre in den Dogmatikern ebenfalls unbedacht gewählt und