# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S66 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 64 Verhandlungen der zehnten Verſammlung Geiſt dieſelben darum nicht in die Bibel aufgenommen hat, weil wir ſie nicht brauchten. Denn die Bibel iſt vollkommen, wie der Apoſtel 2 Tim. 3. ausdrücklich bezeugt. Dieſe unſere zweite Theſis iſt ja mehr eine hiſtoriſche Frage. Nach derſelben muß bewieſen werden zunächſt, daß im Pabſtthum nach dem Grundſatz gelehrt und gehandelt wird, daß Sachen des Glaubens aus den Schriften der Väter begründet und die Gewiſſen an die Lehrentſcheidungen derſelben gebunden werden ſollen. Da haben wir denn bereits gehört, daß in den Decreten des Tridentinums öffentlich und feierlich vor der ganzen Chriſtenheit die Traditionen für ebenſo heilig und verbindlich er⸗ klärt werden, als das, was in der heiligen Schrift gelehrt wird. Es gibt aber zwei Arten Traditionen, geſchriebene und ſogenannte ungeſchriebene. Beide Arten nehmen ſie gleicherweiſe an. Ja, ſelbſt die Auslegung der heiligen Schrift darf nach dem Tridentinum keine andere ſein als die in den Schriften der Väter befindliche und vom Pabſt feſtgeſtellte und approbirte. Nun wollen wir durch eine Anzahl Zeugniſſe beweiſen, daß die alte Kirche vor dem Pabſtthum ganz anders geſtanden hat, daß alſo der Tra⸗ ditionismus des Pabſtthums ein Abfall von derſelben iſt. Aus den Schriften der älteſten Kirchenväter geht hervor, daß gerade ſie gegen die Berufung auf irgend welche menſchliche Autoritäten in Glau⸗ bensſachen gezeugt haben. Cyprian, der größte Kirchenvater vor Auguſtin, ein Märtyrer, ge⸗ ſtorben 258, ſchrieb, als ſich Biſchof Stephan von Rom wider ihn auf die Tradition der Väter berufen hatte: „Woher iſt jene Tradition? Iſt ſie herabſteigend von der Autorität des HErrn und des Evangeliums? oder iſt ſie kommend von den Aufträgen und Briefen der Apoſtel? Denn daß dasjenige, was geſchrieben iſt, gethan werden müſſe, bezeugt Gott und legt es vor, wenn er zu Joſua, dem Sohn Nun, ſagt: ‚Laß das Buch dieſes Geſetzes nicht von deinem Munde kommen, ſondern betrachte es Tag und Nacht, auf daß du halteſt und thuſt allerdinge nach dem, das darinne ge⸗ ſchrieben ſtehet.‘ Joſ. 1, 8. Desgleichen befiehlt der HErr, ſeine Apoſtel ausſendend, alle Völker zu taufen, und ſie zu lehren, daß ſie halten alles, was er ihnen befohlen hat. Wenn es alſo entweder im Evangelium befohlen wird, oder in den Briefen der Apoſtel oder in der Apoſtel⸗ geſchichte enthalten iſt, daß diejenigen, welche von irgend einer Secte kommen, nicht getauft werden, ſondern daß ihnen nur die Hände aufgelegt werden zur Buße, dann mag auch dieſe Tradition beobachtet werden. . . . Aber welcher Hartſinn, welche Anmaßung iſt es, menſchliche Tra⸗ dition der göttlichen Verordnung vorzuziehen und nicht daran zu denken, daß Gott entrüſtet und erzürnt werde, ſo oft menſchliche Tradition Gottes Gebote auflöſt und übergeht! Jeſ. 29, 13. Matth. 15, 3, 1 Tim. 6, 3.“ (Ad Pompejum contra ep. Stephani. Opp. ed. Erasm. f. 327 sq.)