# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S65 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 63 zu uns ſagen: Um der Väter willen wollen wir euch kein Gewiſſen machen, aber ſo ſteht in Gottes Wort. Dann könnten wir unterſuchen, weſſen Lehre in der Schrift gegründet iſt und weſſen nicht. Oder iſt es etwa ſchon ein böſes Zeichen, wenn Jemand ſagt: Hier gehe ich nicht mit Gerhard u. a.; das thue ich nur dann, wenn er mir ſeine Lehre aus Gottes Wort nach⸗ weiſt? Denn dann erſt gilt das Wort Gottes: „Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen“, nämlich wenn ſie uns das Evangelium bringen. Nur offenbare Papiſten mit lutheriſchem Namen können dies für ein böſes Zeichen erklären. — Zwar geben wir gern zu, daß unſere Gegner nie mit nackten Worten die Theorie aufgeſtellt haben, daß Sachen des Glaubens aus den Schriften der Väter zu begründen und die Gewiſſen an die Lehr⸗ entſcheidungen derſelben zu binden ſeien. Sie haben das ſo wenig gethan, ſo wenig die Calviniſten den Grundſatz aufgeſtellt haben, daß die heilige Schrift nach der Vernunft auszulegen ſei. Aber wie die Letzteren dieſen Grundſatz ganz offenbar prakticirt haben und noch prakticiren, daher ihnen derſelbe von unſeren Theologen mit vollem Recht imputirt worden iſt, ſo haben auch unſere Gegner jene Theorie je und je prakticirt und ſo prakti⸗ ciren ſie dieſelbe ebenfalls noch heute, daher auch ihnen dieſe Theorie mit vollem Rechte von uns imputirt wird. Wir wiſſen recht wohl, daß die Anführer unter unſeren Gegnern hauptſächlich darum uns die Väter entgegen gehalten und ihr armes, von ihnen verführtes Volk auf die Schriften derſelben öffentlich und feierlich verpflichtet haben, weil ſie keinen anderen Weg wußten, uns vor ihrem Volke als offenbare falſche Lehrer zu verdächtigen. Allein um ſo erſchrecklicher iſt es, daß ſie eine Theorie prakti⸗ ciren, von der ſie bei jeder anderen Gelegenheit ſelbſt nichts wiſſen wollen. Sie opfern damit nicht nur die Wahrheit einer elenden Kirchenpolitik, ſondern prägen ſo auch einen papiſtiſchen Grundſatz den Ihren praktiſch ein, den ſie denſelben nie wieder ausreden werden, der vielmehr unter ihnen wie ein Krebs um ſich freſſen und ſich nach allen Seiten hin aus⸗ geſtalten wird. Mit Gottes Wort iſt eben nicht zu ſpielen. Höchſt merkwürdig — dies ſei hierbei nur noch beiläufig bemerkt — iſt die alte Tradition aus dem 3. Jahrhundert, daß Petrus ein Motto d. i. Leibſprüchlein gehabt habe. Es erzählt dies Clemens, der Alexandriner, geſtorben nach 212. Derſelbe berichtet nämlich, daß Petrus immer die Worte im Munde geführt habe: Οὐδὲν ἄτερ γραφῶν, d. i. Nichts ohne Schrift. Siehe: Stromata. Buch VI. fol. 678. Hier können wir zum Pabſt ſagen: Das iſt eine gute Tradition, die nehmen wir an, die ſtößt aber auch alle deine Traditionen um. Ja, wir geben zu: Es mag Manches in einem Buch aufbewahrt ſein, was die Apoſtel wirklich geredet haben, was aber nicht in der Bibel ſteht. Wenn es nun mit der Schrift ſtimmt, ſo nehmen wir es an, aber beweiſen können und wollen wir damit nichts. Da der Heilige Geiſt ſolche Reden in die Schrift nicht mit aufgenommen hat, ſo ſind wir gewiß, daß der Heilige