# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 62 Verhandlungen der zehnten Verſammlung Zweifel ſein und wenn tauſend alte oder neuere Kirchenlehrer anders lehrten. Wir ſagen übrigens auch nicht von unſeren Gegnern, daß ſie in allen Lehren papiſtiſch zu Werke gehen; aber in dieſem Punkte, daß ſie die Wahllehre ohne, ja, wider die klare Schrift nach den Dogmatikern auf⸗ ſtellen wollen, handeln ſie papiſtiſch. Sie ſpotten freilich unſer dabei, daß wir bei unſerer Stellung zu den Dogmatikern doch ihre Bücher em⸗ pfehlen. Denn wir empfehlen allerdings nach wie vor unſeren Zuhörern z. B. das Weimarſche Bibelwerk als ein goldenes Buch, als ein deutſches Bibelwerk, wie es kein beſſeres gibt. Aber wir ſagen auch hier: Prüfet es. Denn es ſind auch darin allerdings, wie in allen menſchlichen Schriften, einige naevi, einige Flecken. Das Tridentiniſche Concilium hat aber auch ferner feſtgeſtellt, daß Niemand die Bibel recht auslegen könne außer die Kirche, worunter ſie die Väter und Concilien, ja im Grunde nur den Pabſt verſtehen. Man ſieht da recht, daß der Pabſt der Antichriſt iſt. Er fürchtet ſich vor nichts mehr als vor dem geſchriebenen Wort Gottes. Denn dieſes widerlegt ja alle ſeine Irrthümer. Da er nun aber, um ſich nicht zu verrathen, das geſchriebene Wort nicht geradezu verwerfen und verfluchen kann, ſo hilft er ſich damit, daß er ſagt, nur er könne es auslegen. Erſt macht er alſo Menſchenwort zu Gottes Wort und dann ſinnt er ſich einen Weg aus, wie er das wahre Gottes Wort beſeitigen könne. So heißt es nämlich in den Beſchlüſſen des Tridentinums: „Außerdem beſchließt es, die muthwilligen Geiſter zu bezähmen, daß Niemand, auf ſeine Einſicht geſtützt, in Sachen des Glaubens und der Sitten, die zum Aufbau der chriſtlichen Lehre gehören, die heilige Schrift nach ſeinem Sinn mißdeutend, gegen denjenigen Sinn, den annahm und annimmt die heilige Mutter Kirche, welcher es zuſteht, über den wahren Sinn und Auslegung der heiligen Schriften zu urtheilen, oder auch gegen die einhellige Ueberein⸗ ſtimmung der Väter, die heilige Schrift zu erklären wage.“ (A. a. O. S. 15.) Möchten doch unſere Gegner hieraus merken, wohin ſie gerathen, wenn ſie auch als ein nothwendiges Kennzeichen der Schriftgemäßheit einer Lehre das aufſtellen, daß die Auslegung der betreffenden Schriftſtellen mit der Auslegung der Lehrer des 17. und 18. Jahrhunderts zuſammenfallen müſſe, während ſie einen wahren Horror vor der Auslegung eines Luther, Urbanus Rhegius, Brenz, Kirchner und anderer Theologen aus dem 16. Jahrhundert offenbaren. Alles kommt ihnen darauf an, daß man mit den Lehrern nach der Concordienformel übereinſtimme. Auch wir folgen zwar dieſen theuren Männern faſt in allen Lehren, aber nicht in den weni⸗ gen, in welchen ſie von Gottes Wort abgehen, nämlich vor allem nicht in der Lehre von der Gnadenwahl, vom Sabbath und von der Macht der weltlichen Obrigkeit in kirchlichen Dingen. Darum ſollten ſie vielmehr