# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S63 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 61 Inſtrument des Antichriſts, womit er alle ſeine Greuel zu ſtützen und das Evangelium zu ſtürzen ſucht. Es fällt uns nun ſelbſtverſtändlich nicht ein, unſeren Gegnern unter⸗ ſchieben zu wollen, daß ſie dieſen Beſchluß des Tridentinums unterſchrei⸗ ben; ſie haſſen und verdammen vielmehr mit uns dieſe ſchändliche Lehre. Aber ſie haben leider! einen Weg betreten, der zu jener papiſtiſchen Lehre führt. Denn es iſt einerlei, ob ich glauben muß, was Auguſtinus, Hiero⸗ nymus und andere Kirchenväter, oder was ein Hunnius, Pfeiffer, Hollaz, Baier und andere Dogmatiker gelehrt haben. Denn dieſe ſind irrthums⸗ fähige Menſchen geweſen wie jene. Nur der Unterſchied iſt allerdings, daß die Väter der lutheriſchen Kirche faſt durchweg goldlautere Wahrheit ge⸗ ſchrieben haben, während ſich in den Schriften der alten Kirchenväter eine ganze Menge von Irrthümern findet, obwohl ſie deswegen noch keine Ketzer geweſen ſind. Ihre Irrthümer ſind eben nur naevi, Flecken. Aber wehe dem, welcher gerade dieſe Flecken für das Köſtlichſte in den Lehrvätern er⸗ klärt! Was wäre es, wenn mir einer ein „blank book“ überreichte, machte aber einen großen Tintenklecks hinein und ſagte mir dann: Das iſt das Schönſte in dem Buch? So machen es unſere Gegner in der Lehre von der Wahl: Vieles ganz Richtige und Schöne in den Schriften der Dogmatiker laſſen ſie bei Seite liegen, aber die Lehre leuchtet ihnen wie ein Stern am Himmel der Kirchenlehrer: Gott hat vorausgeſehen, der und der wird ſich ſo und ſo verhalten, darum habe er ihn vor Anderen erwählt, während er die Anderen um ihres üblen Verhaltens willen verworfen habe. Das Letztere geben wir zu, aber jenes können wir nicht zugeben bei unſerer Seligkeit. Als ich, ſagt ein Conferenzglied, mit meinem ſeligen Bruder auf der Univerſität war, da kamen wir beide zur Erkenntniß JEſu Chriſti. Nun gab es aber damals neben uns ſtudirende Jünglinge von ſo ſtreng moraliſchem und dabei von ſo liebenswürdigem Charakter, daß wir mein⸗ ten, wenn dieſe nur auch das Evangelium kennen lernen würden, ſo wür⸗ den gewiß auch ſie uns bald nachfolgen. Was geſchah aber? Gerade dieſe ſo liebenswürdigen Jünglinge wurden eben um des Evangeliums willen unſere bitterſten Feinde, verſpotteten uns, daß wir noch die alte längſt ab⸗ gethane Lehre von der Seligkeit durch Chriſti Blut und Wunden glauben könnten, und hielten uns für Narren. Da fragten wir uns denn oft: Wie iſt es doch möglich, daß gerade wir das ſelige Evangelium erkannt haben und dieſe nicht? Wir mußten uns geſtehen: Der einzige Grund unſerer Bekeh⸗ rung ſei nichts anderes als Gottes unbegreifliches Erbarmen. Dieſe An⸗ nahme iſt es aber, an welcher jetzt unſere Gegner ſich ſtoßen. Sie fragen hier ihre Vernunft um Rath und dieſe ſagt ihnen: Nein, man muß den Unterſchied in des Menſchen beſſerem Verhalten ſuchen. Aber das iſt wider die ganze Schrift. Welche Gründe Gott auch immer gehabt haben mag, warum er mich und dich erwählt hat, den Grund hat er nicht gehabt: weil wir uns beſſer als andere Leute verhalten hätten. Daran kann kein