# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S62 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 60 Verhandlungen der zehnten Verſammlung keit des Pabſtes, kraft welcher er der höchſte Richter in Glaubensſachen ſei, Niemand ihm widerſprechen dürfe und vermöge der er jeden Streit in Sachen des Glaubens und Lebens allein endgiltig entſcheide. Von dieſen und dergleichen Dogmen ſagt der Pabſt, es ſeien dies keine neuen, ſondern alte Lehren, die aber jetzt erſt recht ans Licht gekommen und der Tradition entnommen ſeien. Luther nennt dieſe Traditionen daher mit Recht den Gaukelſack des Pabſtes. Ein Gaukelſack iſt bekanntlich ein Sack, mit welchem ein Taſchenſpieler oder Zauberer aufzutreten pflegt. Fragt nun der Taſchenſpieler: Was ſoll ich euch aus meinem Sack herausholen? Da ſagt ſchnell ein Zuſchauer: Ein Kaninchen. So greift denn der Taſchen⸗ ſpieler in den Sack und ſiehe da! ein lebendiges Kaninchen kommt zum Vorſchein. Der Gaukler fährt fort: Was wollt ihr noch heraushaben? Eine Schlange! iſt die Antwort. Und ſiehe! auch die holt er hervor. Natürlich hat er das alles erſt hineingethan und ſeine Helfershelfer geben unter dem Volke die Antworten. Ein ſolcher Gaukelſack ſind denn auch des Pabſtes Traditionen. Aus denen kann er alles herausholen, was ver⸗ langt wird oder vielmehr, was immer er ſelbſt haben will. Hören wir nun, was über dieſe Traditionen das Tridentiniſche Concil, das bereit war, die päbſtlichen Irrthümer zu verſiegeln, kurz nach Luthers Tode am 18. April 1546 in ſeiner 4. Sitzung beſchloſſen hat: „Erkennend, daß dieſe Wahrheit und Vorſchrift in den heiligen Büchern enthalten iſt und in den ungeſchriebenen Ueberlieferungen, welche aus dem Munde Chriſti ſelbſt von den Apoſteln empfangen oder von denſelben Apoſteln durch Eingebung des Heiligen Geiſtes gleichſam von Hand zu Hand überliefert worden, bis zu uns gelangt ſind, und folgend der recht⸗ gläubigen Väter Beiſpiele, nimmt (dieſes tridentiniſche hochheilige Con⸗ cilium) an und verehrt mit gleicher frommer Zuneigung und Hochachtung (pari pietatis affectu et reverentia) alle Bücher, ſowohl des Alten als des Neuen Teſtaments, da der Eine Gott beider Urheber iſt, und eben ſo dieſelben Ueberlieferungen, ſowohl diejenigen, welche ſich auf den Glauben als auf die Sitten beziehen, als ſolche, die entweder mündlich durch Chriſtum oder aus Eingebung des Heiligen Geiſtes her⸗ rühren und in ſteter Aufeinanderfolge in der katholiſchen Kirche behalten worden ſind.“ (Des ꝛc. Concils von Trient Canones und Beſchlüſſe. In treuer Verdeutſchung von D. W. Smets, Stiftsherrn in Aachen. Biele⸗ feld, 1851. S. 14.) Mit dem Ausdruck „ungeſchriebene Ueberlieferungen“ wollen ſie nicht ſagen, daß ſie überhaupt gar nicht geſchrieben ſeien, ſondern nur daß ſie nicht von den Apoſteln geſchrieben und nicht in der heiligen Schrift ſich finden. Da nun die Papiſten die Traditionen das ungeſchriebene Wort Gottes nennen, ſo kann auch ein Papiſt zum Schein zugeben, daß alles bloß nach Gottes Wort geurtheilt werden dürfe, und doch iſt dies Zugeſtänd⸗ niß nur Schwindel. Die Tradition iſt daher vor allem das ſchreckliche