# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S61 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 59 Es iſt dies beſonders in unſerer Zeit wichtig. Viele gelten für Luthe⸗ raner, denen doch die allererſte Eigenſchaft eines wahren Lutheraners ab⸗ geht. Sagen doch ſelbſt viele ſogenannte Lutheraner, daß ſich auch in der heiligen Schrift Irrthümer finden. Mögen ſolche immerhin in einzelnen Lehren recht lehren: weil ſie ſich eine Kritik der heiligen Schrift erlauben, ſo ſind ſie keine Lutheraner. Denn die lutheriſche Kirche erkennt die Bibel an als den rechten lauteren Brunnen Iſraelis. Das zweite Kennzeichen eines wahren Lutheraners iſt, daß er menſch⸗ liche Schriften immer der Kritik unterwirft. Er nimmt die Schriften, die von geiſtlichen Dingen handeln, nicht darum an, weil ſie dieſer oder jener angeſehene Mann geſchrieben hat. Wer an Gottes Wort Kritik übt, der iſt ein Rationaliſt und Heide, wer bei menſchlichen Schriften nicht Kritik üben will, der iſt ein Papiſt. Der Menſchen Verlangen geht zwar von Natur dahin, auf Menſchen zu ſehen. Um uns in dieſem Stücke zu curiren und unſer Verlangen in rechter Weiſe zu befriedigen, ſo hat Gott — ſagt Luther — ſeinen Sohn ſelbſt Menſch werden laſſen. Luther ſchreibt: „Darum rede ich nicht viel davon, ohne daß man bleibe bei den Worten einfältig und laſſe ſich die Worte fangen. Wir haben's im Glauben genugſam, da wir ſagen: Ich glaube an Gott Vater, Sohn und Heiligen Geiſt. Nun ſoll man an Niemand glauben, denn allein an Gott. Darum hat er auch wollen Menſch werden, daß das Herz nimmer an keinem Engel noch Menſchen hinge, denn an ihm.“ (A. a. O. S. 357.) II. Unſere zweite Theſis lautet: „Es iſt darum ſo verwerflich, Sachen des Glaubens aus den Schriften der Väter begründen und die Gewiſſen an die Lehrentſcheidungen derſelben binden zu wollen, weil es ein Rück⸗ fall in das antichriſtiſche Pabſtthum iſt.“ Denn darin beſteht ja vor allen Dingen der Greuel des Pabſtthums und der Papiſten, daß ſie neben die heilige Schrift eine andere Quelle der Glaubenserkenntniß ſetzen, und zwar etwas, das gar keine Grenzen hat, nämlich die ſogenannten Traditionen, d. h. Lehren, die nicht in der Bibel ſtehen, von denen ſie aber behaupten, Chriſtus habe ſie gelehrt, der Heilige Geiſt habe ſie auch den Apoſteln eingegeben und dieſe hätten ſie auch ge⸗ predigt, aber nicht aufgeſchrieben; ihre Schüler aber, denen ſie dieſelben mitgetheilt, hätten ſie wieder ſpäteren Lehrern geſagt, und ſo ſeien ſie von Hand zu Hand, von Mund zu Mund gegangen und endlich beſonders durch die Schriften der Kirchenväter fortgepflanzt worden bis auf unſere Zeit. Daher denn der Pabſt ohne Scheu mit lauter neuen Glaubensartikeln her⸗ vortreten kann, wie z. B. zu unſerer Zeit mit dem Dogma von der unbe⸗ fleckten Empfängniß Mariä und ſpäter mit dem Dogma von der Unfehlbar⸗