# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S245 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Welch' eine theure Gabe Gottes wir an unserer Synodalgemeinschaft haben. 245 Zucht des heiligen Geistes gestellt wird, kommt es auch nicht zu einer gesegneten Erkenntniß der Heilswahrheiten. Entweder werden uns die tiefern Lehren der heiligen Schrift widerwärtig, weil die Seele das heimliche Gericht, welches das Wort Gottes über uns ausübt, nicht ausstehen mag, und man hört sie weder, noch predigt man sie gern; oder, wie der gottselige Sciver sagt, man hat den Buchstaben der heiligen Schrift zwar fleißig im Munde, unter der Hand, in der Feder, läßt aber die Kraft und den Geist nicht ins Herz gelangen. Es ist indeß höchst gefährlich für die eigene Seele, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu predigen, ohne sie für sich selber anwenden zu wollen. Leicht wird daraus ein gewohntes und leichtfertiges Lippen⸗Geschwätz, ein ungläubiges und im Grunde gleichgültiges Weitergeben des Empfangenen, wobei die höchsten und gewaltigsten Dinge alle Macht über das Gemüth verlieren; oder es entsteht eine Gewohnheit, die Andacht und fromme Erregung bei sich selber nur bis zu dem Punkt zu treiben, wo zwar die Phantasie noch erwärmt wird, es aber nicht zur Heiligung des Willens kommt. Weder das Eine noch das Andere paßt für einen wahrhaften Zeugen, der nicht nach Hörensagen oder nach seiner Phantasie reden soll, sondern aus der Erfahrung und was er selber erlebt hat. Der Prediger aber soll ein wahrhafter und kein falscher Zeuge sein. Das weltförmige Leben aber muß zuletzt falsche Zeugen machen. Alles, was man nun vielfach zur Entschuldigung geisttödtender Zerstreuungen anführt, so z. B. der Gewohnheit des Kartenspielens, was in manchen Gegenden vom Volk ein Lesen im Teufelsbuch genannt wird, ist hinreichend bekannt. Aber jedenfalls ist es bedenklich, wenn ein Prediger Dinge treibt, die er erst mühsam entschuldigen muß, wenn er darum befragt wird. „Seid Vorbilder der Heerde," stehet geschrieben. Noch kann ein Pfarrer von Glück sagen, der etwa aus schlechter Jugenderziehung oder einem Leben in weltlichen Häusern und geistloser Umgebung gewohnheitsmäßig einen weltlichen, vergnügungssüchtigen Sinn in das Amt gebracht hat und sein eigenes häusliches und außerhäusliches Leben darnach einrichtet, vielleicht von einer gleichgesinnten Gattin unterstützt: wenn er in eine Gemeinde geräth, wo die Leute Acht auf ihre Pastoren geben, ob sie nichts christlichen Gewissen Aergerliches treiben, und falls sie dergleichen merken, es deutlich fühlen lassen. Dadurch wird Mancher, der im Unverstand sündigte, zur Umkehr gebracht. Aber wie selten sind solche Gemeinden. An den meisten Orten kümmern sich die Menschen um den Pastor, insofern er der für sie bestellte Haushalter über Gottes Geheimnisse ist, höchst wenig; wenn er ein friedlicher, verträglicher Mann, umgänglich, nicht geizig ist, oder ein verständiger Rathgeber in Geschäften und leiblichen Nöthen, wenn sein Wahlspruch ist leben und leben lassen; so genügt er vollständig. Der Pastor ist mit der Gemeinde zufrieden und die Gemeinde mit dem Pastor, „der ein guter Mann ist und nicht zu den heuchlerischen Pietisten gehört, welche gleich jeden verdammen, der einmal in unschuldiger Fröhlichkeit sich seines Lebens freut." Natürlich bekommt da das weltförmige Leben eine breite Basis.