# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S60 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 58 Verhandlungen der zehnten Verſammlung Ferner ſchreibt Luther: „Ueber der Lehre zu erkennen und zu richten, gehöret vor alle und jede Chriſten, und zwar ſo, daß der verflucht iſt, der ſolches Recht um ein Härlein kränket. .. Wie ein jeder auf ſeine Gefahr recht oder falſch gläubet, ſo hat auch ein jeder billig dahin zu ſorgen, daß er recht gläube; daß auch der gemeine Menſchenverſtand und die Nothwendigkeit der Selig⸗ keit es gibt, daß das Urtheil über die Lehre nothwendig bei dem Zuhörer ſein müſſe. Sonſt iſt vergeblich geſchrieben: ‚Prüfet alles, und das Gute behaltet.‘“ (Antwort auf König Heinrichs VIII. von England Buch wider ſeinen Tractat von der babylon. Gefängniß. Vom Jahre 1522. XIX. 424. 426.) Luther zeigt hier, daß es ſchon wider die Vernunft, wider den gemei⸗ nen Menſchenverſtand iſt, das Urtheil über die Predigt den Lehrern und nicht den Zuhörern zu geben. Denn entweder führt mich mein Prediger mit ſeiner Lehre in den Himmel oder in die Hölle. Und ich ſollte es mir blindlings gefallen laſſen müſſen, daß er mich etwa zur Hölle führt? Das ſei ferne! Meine Seligkeit fordert, daß ich die Freiheit habe, meines Pre⸗ digers Lehre zu prüfen. Das iſt heilige Chriſtenpflicht. Man bedenke auch, daß es Pſalm 62, 10. im Grundtext mit beſonde⸗ rem Nachdruck heißt: „Lüge ſind große Leute.“ Alſo, wenn ſie etwas bringen, was ſie nicht aus der Schrift geholt, ſondern ſelbſt erdacht haben, ſo ſoll man dran denken, daß der Pſalm ſagt: „Es iſt Lüge in dem, was ſie aus ſich ſelbſt haben.“ Luther macht daher zu dieſem Vers folgende Randgloſſe: „Wer ſich auf Menſchen verläßt, der fehlet. Wie groß ſie auch ſind, ſo iſt's doch nichts mit ihnen und muß fehlen.“ Was für ein großer Mann iſt der Hoheprieſter Aaron geweſen und wie ſehr iſt er abge⸗ wichen, ſo daß er durch das goldene Kalb die Juden zu ſchändlicher Ab⸗ götterei verführte! Darum prüfe man ja wohl alles, auch das Geringſte, was Menſchen lehren, und behalte nur das Gute, das heißt, das, was aus der Schrift geholt iſt. Bei jedem rechten Lutheraner ſoll ſich alſo zweierlei finden: Erſtlich, was Gottes Wort betrifft, da übt er gar keine Kritik, denn er weiß, hier redet Gott allein und da darf er nicht fragen: Iſt es auch wahr, recht, nützlich? ſondern da muß er alles ohne Weiteres annehmen. Das war ja auch Luthers Stellung den Schwärmern gegenüber. Wenn ſie fragten: Wie iſt es möglich, daß im Abendmahl Chriſti Leib und Blut ſein kann? Was iſt das noth und nütze? ſo antwortet ihnen Luther: Und wenn mir Gott nur einen Strohhalmen aufzuheben beföhle und daran meine Selig⸗ keit bände, ſo ſoll ich es ohne Weiteres thun und nicht fragen: Was ſoll das? Daher Luther auch ſchreibt: „Wenn der Teufel Jemand dahin bringt, daß er ſagt in dem Artikel unſeres Glaubens: Iſt's auch recht? Iſt's auch fein alſo? ſo gnade ihm Gott, er iſt ſchon dahin.“ (Erl. 2te Auflage. Band 15, 358.)