# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 57 Apoſt. 17, 11. wird uns erzählt von den Beroenſern: „Denn ſie waren die edelſten unter denen zu Theſſalonich; die nahmen das Wort auf ganz williglich und forſcheten täglich in der Schrift, ob ſich's alſo hielte.“ Daß wir hier gewarnt werden, nichts ungeprüft anzunehmen, iſt nach dem Vorhergehenden ganz offenbar. Zugleich haben wir aber auch hier einen Beweis, daß wir auch nichts prüfen ſollen nach menſchlichen Schriften. Denn warum gibt der Heilige Geiſt den Beroenſern dies außerordentliche Lob, daß ſie, wie es nach dem Griechiſchen heißt, noch edler, als die zu Theſſalonich, waren? Als Beweis dafür ſagt er: „Sie forſcheten täglich in der Schrift, ob ſich's alſo hielte.“ Warum ſagt aber der Apoſtel nicht zu ihnen: Was ich euch heute gepredigt habe, das müßt ihr ohne Weiteres glauben, denn Chriſtus ſelbſt iſt mir erſchienen; ihr ſtreitet ſonſt wider Gott? Weil die Beroenſer noch nicht mit göttlichem Glauben wiſſen konn⸗ ten, ob der Apoſtel inſpirirt war. Darum prüften ſie ihn erſt und mußten ſie ihn erſt prüfen. Woran aber? An der Schrift Alten Teſtamentes ganz allein und nicht an irgend welchen menſchlichen Schriften. Luther ſchreibt: „Was iſt es Noth, mehr Sprüche herzuführen? Alle Warnungen, die St. Paulus thut Röm. 16, 13. 18. 1 Cor. 10, 14. Gal. 3, 4. 5. Col. 2, 8. und allenthalben, item, aller Propheten Sprüche, da ſie lehren Menſchenlehre zu meiden, die thun nichts Anderes, denn daß ſie das Recht und Macht, alle Lehre zu urtheilen, von den Lehrern nehmen und mit ernſtlichem Gebot bei der Seelen Verluſt den Zu⸗ hörern auflegen; alſo, daß ſie nicht allein Recht und Macht haben, alles, was gepredigt wird, zu urtheilen, ſondern ſind ſchuldig, zu ur⸗ theilen, bei göttlicher Majeſtät Ungnaden.“ (Grund und Ur⸗ ſache aus der Schrift, daß eine chriſtl. Verſammlung oder Gemeine Recht und Macht habe, alle Lehre zu urtheilen. Vom Jahre 1523. X, 1799 f.) Das heißt doch wahrlich gründlich aufgeräumt. Die Papiſten ſagen: Die Prieſter haben allein das Recht, alles zu prüfen, den Laien kommt nur zu, gehorſam anzunehmen, was ihnen die Prieſter vorlegen. Umgekehrt! ſagt Luther; Gott hat dieſes Recht den Prieſtern genommen und den Laien gegeben. Ein Prediger denkt und ſagt natürlich immer: Ich habe recht gepredigt. Aber nun ſteht es bei den Zuhörern, zu prüfen, ob dem ſo ſei. Da kommt vielleicht ſchon am Montag ein Gemeindeglied und ſagt: Herr Paſtor, was Sie geſtern von der Stelle gepredigt haben, ſcheint mir nicht recht zu ſein; das kann ich daher nicht annehmen. Iſt er nun ein rechter Prediger und er ſieht ein, daß er wirklich aus menſchlicher Schwachheit etwas Irrthümliches geſagt hat, ſo wird er nicht erzürnt werden über die angebliche Anmaßung eines Laien, ſondern er wird ſprechen: Gut, Sie haben recht, ich will das nächſten Sonntag widerrufen. Iſt aber der Zu⸗ hörer im Irrthum, ſo wird ihm ein rechter Prediger in aller Freundlichkeit dies nicht nur nachweiſen, ſondern ihn auch deswegen beloben, daß er nichts ungeprüft annehmen wolle.