# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S58 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 56 Verhandlungen der zehnten Verſammlung ſagt: Verachtet nicht in der Kirche Menſchen, wenn ſie lehren, ſo könnte Jemand leicht auf den Gedanken kommen: Man ſolle auch Reſpect vor den frommen Lehrern dann haben, wenn ſie Irriges lehren. Darum ſetzt er ſogleich hinzu: „Prüfet aber alles und das Gute behaltet.“ Ferner leſen wir Joh. 4, 39—42.: „Es glaubten aber an ihn viel der Samariter aus derſelbigen Stadt, um des Weibes Rede willen, welches da zeugete: Er hat mir geſagt alles, was ich gethan habe. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten ſie ihn, daß er bei ihnen bliebe; und er blieb zween Tage da. Und viel mehr glaubten um ſeines Worts willen. Und ſprachen zum Weibe: Wir glauben nun fort nicht um deiner Rede willen; wir haben ſelber gehöret und erkannt, daß dieſer iſt wahrlich Chriſtus, der Welt Heiland.“ Merkwürdig! Erſt heißt es: ſie glaubten um des Weibes Rede willen, was der Evangeliſt auch offenbar zuerſt her⸗ vorheben will. Chriſtus kam nämlich als ein ganz fremder Mann an den Brunnen der ſamaritiſchen Stadt Sichar und als ein Weib aus der Stadt kommt, läßt er ſich mit ihr in ein Geſpräch über das Kommen des Meſſias ein. Da ihr nun der HErr alles ſagt, was ſie gethan hat, was kein Menſch außerhalb Samarias wiſſen konnte, und ihr bezeugt, daß Er der Verheißene ſei, da glaubt ſie nicht nur, ſondern eilt nun ſogleich in die Stadt und er⸗ zählt da alles, was ſie ſoeben erfahren hat. Viele Einwohner machen auch ſofort den Schluß: Das muß der Meſſias ſein. Als ſie aber JEſum ſelbſt gehört haben, da ſprechen ſie: „Wir glauben nun fort nicht um deiner Rede willen; wir haben ſelber gehöret und erkannt, daß dieſer iſt wahrlich Chriſtus, der Welt Heiland.“ Wohl hatten ſie alſo um des Weibes Rede willen ſchon geglaubt mit einem menſchlichen Glauben; als ſie aber durch Chriſti eigenes Wort zu einem göttlichen Glauben gekommen waren, ließen ſie des Weibes Rede gänzlich fahren. Warum wird uns das wohl erzählt? Deswegen, daß wir lernen auf keines Menſchen Rede unſeren Glauben ſchließlich bauen. Wohl ſollen wir ſehr dankbar ſein für die Reden und Schriften gottſeliger Männer, wenn ſie uns in die Schrift hineinführen. Aber nicht um ihretwillen ſollen wir dann glauben, ſon⸗ dern weil wir es in der Schrift gefunden haben. Auch bei uns ſoll es heißen: wir glauben nun nicht mehr um eines Luther, um eines Gerhard, um eines Quenſtedt, Hunnius, Heshuſius, Calov, Dannhauer u. a. willen, ſondern weil wir es in der Schrift geleſen haben. 1 Cor. 10, 15. heißt es: „Als mit den Klugen rede ich, richtet ihr, was ich ſage.“ Das geht nun über alles. Paulus war, wie die Corin⸗ ther ganz gut wußten, ein unmittelbar erleuchteter Knecht Gottes. Und dennoch ſagt er zu ihnen: „Richtet ihr, was ich ſage.“ Er ſtellt alſo ſelbſt das, was er ſagt, dem Urtheil der corinthiſchen Chriſten anheim und will, daß ſie ihm in klarer Ueberzeugung zuſtimmen. Thut dies ein Apoſtel, was ſind andere Lehrer, daß ſie blinde Zuſtimmung zu Allem, was ſie ſagen, fordern dürfen?