# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S57 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 55 Geſetz umwandelt. Nein, die Liebe fängt beim Nächſten an. Unſer lieber Luther dagegen folgte den Fußſtapfen ſeines Heilandes. Als er auftrat, da predigte er nicht bloß das Evangelium rein und lauter, ſondern auch das Geſetz in ſeinem rechten geiſtlichen Sinn und Verſtand. Daher es zu verwundern iſt, daß in unſerer lutheriſchen Kirche jene ſo laxe An⸗ ſchauung in Betreff der zweiten Tafel des Geſetzes zu Tage treten, ja, zur Ueberlieferung werden konnte. Daß der Heiland in dem vorliegenden Spruche die menſchlichen Ueber⸗ lieferungen meint, ſehen wir übrigens auch aus der Vergleichung mit an⸗ deren ſeiner Redeweiſen. Will er nämlich vom Alten Teſtament reden, ſo ſpricht er: „Wie lieſeſt du?“ „Wie ſteht im Geſetz geſchrieben?“ Hier aber ſagt er: „Ihr habt gehört.“ Ferner leſen wir Matth. 15, 9.: „Aber vergeblich dienen ſie mir, die⸗ weil ſie lehren ſolche Lehren, die nichts denn Menſchengebot ſind.“ Ein großes Wort! Wenn alſo etwas ein Menſchengebot iſt und ich thue es, um damit Gott zu gefallen, ſo iſt das ganz vergeblich. Und wenn ich mir das Blut abzapfen ließe, wie die Baalspfaffen ſich mit Meſſern ritzten und meinten, ihr Baal werde ſie dann eher erhören, ja, wenn ich mich zu Tode faſtete, zu Tode geißelte, um Gott damit zu gefallen, ſo iſt das alles ver⸗ loren, denn Gott hat mir's nicht geboten. Mögen daher immerhin gewiſſe Mönche, um ſich ein Verdienſt zu erwerben, mitten in der Nacht aufſtehen, ſich in einem kalten Zimmer auf die Kniee werfen und eine Stunde lang beten; da meint man wohl, wenn die nicht in den Himmel kommen, wer ſoll dann wohl hineinkommen? aber es iſt doch alles verloren. Ihr Beten, ihr Faſten, ihr Wachen, ihr hartes Lager, alles gilt nichts vor Gott. Warum? Weil er's nicht befohlen hat. Denn Gott iſt Gott, und er will's allein uns ſagen, was wir zu thun haben, wenn es ihm gefallen ſoll. Da⸗ her gehört auch das Exempel König Sauls hierher. Der hatte von Gott den Befehl, des Feindes Thiere ſämmtlich zu verbannen d. h. zu tödten und zu vergraben. Aber Saul dachte: Ach, die Maſſe feiſter, fetter Rinder geben ein reiches Opferfeſt; davon wollen wir hundert ſchlachten und alle Welt wird ſich verwundern, wie viel wir unſerem Jehovah opfern. Aber da kommt der Prophet Samuel und ſpricht: Was iſt das für ein Gebrüll der Rinder? Du haſt Gottes Wort verworfen, darum will ich dich auch verwerfen. Denn Gehorſam iſt beſſer denn Opfer. Ein Sprüchwort unter uns Deutſchen ſagt daher: Es iſt leichter, ſich den Himmel, als die Hölle, zu verdienen. Endlich ſagt unſere Theſis: „ſowie wider die darin enthaltenen Er⸗ mahnungen, alles zu prüfen.“ Davon haben wir ſchon oft, auch in der Vorerinnerung ausführlich gehandelt. Hören wir daher nur die Sprüche, welche ſolche Ermahnungen enthalten. 1 Theſſ. 5, 20. 21. heißt es: „Die Weiſſagung verachtet nicht. Prüfet aber alles und das Gute behaltet.“ Wenn der Heilige Geiſt zuerſt