# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S55 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 53 ſind, ſo mußt du darum nicht ſagen, daß ſie nicht irren und fehlen könn⸗ ten und daß man auf alle der Väter Reden bauen und trauen ſollte, item, alles für Recht annehmen und gläuben, was ſie gelehrt hätten. Sondern nimm den Streichſtein und Probierſtein vor die Hand, nämlich das göttliche Wort, und probiere, urtheile und richte dar⸗ nach alles dasjenige, was die Väter geſchrieben, gepredigt und geredet haben, auch ſonſt (was ſie) von Regeln, Menſchenſatzungen und anderm gemacht haben. Denn wo man dies nicht thut, ſo wird man liederlich ver⸗ führt und betrogen. Und weil man vorzeiten den Pabſt zu dieſer Schleif⸗ mühle nicht geführt, ſo hat er gut machen gehabt und die Kirche mit Irr⸗ thum, gleich als mit einer Sündfluth, überſchwemmet, und es dahin ge⸗ bracht, daß man alle Reden und Lehren, ja, was auch den Mönchen und Pfaffen des Nachts geträumet, als heilig und köſtlich angenommen und gegläubet hat. . . Aber dafür ſoll man ſich fleißig hüten. Denn es iſt kein Heiliger in dieſem Leben rein und ohne Sünde, er hat noch Fleiſch und Blut an ihm hangen und den Teufel neben ſich, der ihn wohl kann irre machen, daß er ſtrauchle und falle.“ (Zu den Worten: „Es glaubten viel an ſeinen Namen, da ſie die Zeichen ſahen, die er that. Aber JEſus ver⸗ trauet ſich ihnen nicht.“ Joh. 2, 23. 24. S. Ausl. des 1. und 2. Cap. Joh. VII, 1785 ff.) Alſo deswegen, weil der größte Glaubensheld irren kann, ſoll man ihn zwar nicht mit Verdacht hören, ſondern ſich des Beſten zu ihm ver⸗ ſehen, aber auch nicht vergeſſen, daß er irren könne. Das iſt daher auch keine Verachtung unſerer lieben alten Lehrväter, wenn wir ſagen: Sie ſind große Männer geweſen, aber ſie haben geirrt. Nur von den Apoſteln und Propheten darf man dies nicht ſagen. Wohl waren auch dieſe keine Götter; aber von ihnen ſagt ausdrücklich Chriſtus: „Wer euch höret, der höret mich.“ Daher glauben wir nicht Menſchen, wenn wir ihnen ohne weiteres folgen, ſondern Gott ſelbſt. In unſerer Theſis heißt es aber noch: „und vor allen Menſchen⸗ lehren“ (werden wir nämlich in der Schrift gewarnt). Hierher gehört die Stelle Matth. 5, 21. 22.: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten geſagt iſt: Du ſollſt nicht tödten; wer aber tödtet, der ſoll des Gerichts ſchuldig ſein. Ich aber ſage euch: Wer mit ſeinem Bruder zürnet, der iſt des Ge⸗ richts ſchuldig; wer aber zu ſeinem Bruder ſagt: Racha, der iſt des Raths ſchuldig; wer aber ſagt: Du Narr, der iſt des hölliſchen Feuers ſchuldig.“ Höchſt merkwürdig! Als der HErr das erſte Mal mit einer langen Predigt auftrat, was lehrte er da? wogegen trat er da zuerſt auf? Gegen die väterlichen Traditionen, auf welche damals auch die Juden ihren Glauben gründeten. Denn wenn Chriſtus ſagt: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten geſagt iſt“ ꝛc., ſo meint er damit nicht die im Alten Teſta⸗ ment enthaltenen zehn Gebote. Denn der HErr ſagt ja nicht: Ihr habt geleſen, ſo daß man es auf die Schriften Moſis beziehen müßte; ſon⸗