# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S54 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 52 Verhandlungen der zehnten Verſammlung Offenbarung der Wahrheit“ ꝛc. Das Wort der heiligen Schreiber bleibt daher die einzige Norm aller Lehre bis an den jüngſten Tag. Das gilt von keinem anderen menſchlichen Schreiber. Daher ſollen wir uns auch als eine Parallele das Wort des Propheten Jeremias merken: „Verflucht iſt der Mann, der ſich auf Menſchen verläßt und hält Fleiſch für ſeinen Arm.“ Vor dieſem Worte ſollte man auch in dieſem unſerem Streite er⸗ zittern. Wer den Vätern als ſeiner Autorität in einer Lehre folgt, der hält einen armen Menſchen, der nichts iſt, als gebrechliches Fleiſch, für ſeinen Arm, für ſeine Stärke, macht ihn alſo zu ſeinem Gott. Uebrigens ſind es nicht einmal immer „große Leute“, an die man ſich hängt. Häufig imponiren dem armen Volke die allerarmſeligſten Wichte und man nimmt ihre Lehre auf, als ob ſie vom Himmel herab geredet wäre, als das pur⸗ lauterſte Evangelium. O, wie verderbt iſt doch der Menſch! Selbſt in Glaubensſachen hängt er ſich oft an die miſerabelſten Subjecte. Wir leſen ferner Joh. 2, 23—25.: „Als er aber zu Jeruſalem war in den Oſtern auf dem Feſt, glaubten viele an ſeinen Namen, da ſie die Zeichen ſahen, die er that. Aber JEſus vertrauete ſich ihnen nicht; denn er kannte ſie alle, und bedurfte nicht, daß jemand Zeugniß gäbe von einem Menſchen; denn er wußte wohl, was im Menſchen war.“ Hier ſteht nun zwar nicht geradezu, daß man auch auf keinen Gläubigen vertrauen ſoll. Es wird uns aber erzählt, daß viele an den HErrn JEſum glaubten, aber Chriſtus traute ihnen doch nicht, „denn“, heißt es, „er kannte ſie alle“. Damit ſagt aber der HErr indirect: auch auf die Gläubigen iſt in Glaubens⸗ ſachen nicht zu bauen. Wohl ſoll man von jedem, welcher ſich zum Wort bekennt, der Liebe nach das Beſte denken; aber dennoch ihm nicht ohne weiteres trauen in Glaubensſachen. Und warum nicht? Er kann irren. Nichts in der Welt ſoll uns bewegen, einem Menſchen, er ſei auch noch ſo gewiß gläubig, um ſeinetwillen in der Lehre zu folgen. Luther ſchreibt daher: „Das iſt nun gar eine nöthige Lehre, daß wir uns zu den Leuten allezeit das Beſte verſehen ſollen, ſonderlich zu den Gläubigen, und dennoch wiſſen, daß ſie fehlen und irren können. Welche Lehre, wenn ſie wäre in der Chriſtenheit feſter gehalten worden, ſo hätten wir weder den Pabſt, noch alle ſeinen Dreck und Stank der antichriſtiſchen Lehre, damit die chriſtliche Kirche hernach verführet worden iſt, gehabt. Denn im Pabſtthum hat man bald alſo geſchloſſen und geſagt: O, der iſt ein heiliger Mann, darum ſo iſt's alles recht, was er ſagt. Deß nimm für dich die Exempel St. Ambroſii, Gregorii, Auguſtini und Hieronymi, und hernach beſſer herab, Bernhardi, Benedicti, Dominici und Francisci; bis man zuletzt alles aufgerafft hat, was nur ein jeder geſagt und gelehret, der da für einen heiligen Mann iſt gehalten worden. Dafür ſoll ich mich hier warnen laſſen und ſagen: Ich will gerne gläuben, daß die obgemeldten Leute, als St. Gregorius, Ambroſius und Auguſtinus, heilige Leute ge⸗ weſen ſind; aber ich traue ihnen nicht. Denn ob ſie gleich heilig