# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S52 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 50 Verhandlungen der zehnten Verſammlung nicht gehen will, iſt viel ſtärker, als alle Furcht und Schrecken von außen. Es ſteht Gottes Wort hinter ihm wie ein Rieſe und treibt ihn vorwärts, daß er dann auch nichts darnach frägt, was aus dem Bekennen entſtehen würde. Konnte doch auch Luther nicht wiſſen, was für eine Kirche er auf⸗ bauen würde, oder ob er nicht in kürzeſter Zeit würde verbrannt werden.“ Soweit alſo Gottes Wort geht, ſo weit hat wahrer Glaube ſtatt. Wo das aufhört, iſt kein Glaube, ſondern ein Wahn, der ſich ſogar zum Fanatismus ſteigern kann. Daher hat nie ein Papiſt wirklich geglaubt, daß die Rechtfertigung auch auf unſeren Werken beruhe oder daß der Pabſt das Oberhaupt der chriſtlichen Kirche ſei; weil davon nichts in der Schrift ſteht. Die Väter aus dem 17. Jahrhundert haben über das Intuitu fidei viele tauſend Seiten geſchrieben. Aber keiner hat hierüber wirklich Glau⸗ ben gehabt, weil das Intuitu fidei nicht in der Schrift ſteht. Sie haben wohl gemeint, daß ſie das glauben, aber es war nur ein Wahn, eine Ein⸗ bildung. Und die uns ſo bitter bekämpft haben in dieſer Lehre, die haben hierin keinen Glauben haben können, ſondern es iſt eitel Fanatismus. Darum ſchreibt Luther: „Das Weſen und die Natur des Glaubens iſt, daß er auf Gottes Wort ſich baue und verlaſſe. Und wo nicht Gottes Wort iſt, da mag und ſoll kein Glaube ſein.“ (Am Tage der hl. 3 Könige. E. A. X, 380.) Man beachte auch in unſerer Theſis das Wort: „göttlich gewiß.“ Denn die Türken ſind auch ihres Glaubens gewiß, ſo daß ſie ſich dafür todtſchlagen laſſen oder in's Peſthaus gehen und die Leichname auf den Achſeln heraustragen. Der Glaube der Türken iſt nämlich: was Gott will, das geſchieht doch, der Menſch mag thun, was er will. So iſt wohl auch möglich, daß unſere Gegner ihrer Sache auch gewiß ſind, aber ſie können derſelben nicht göttlich gewiß ſein, denn das wird man nur durchs Wort. Ein Glied der Conferenz erzählte hierzu aus ſeinen früheren Erfahrungen Folgendes: Ich habe auch vielfach erfahren, wie ſchrecklich es iſt, auf Väter ſich verlaſſen. Als ein Ungläubiger kam ich auf die Univerſität. Doch hatte ich ſo viel aus meines Vaters Hauſe mit⸗ gebracht, daß die Bibel Gottes Wort iſt. Da kam ich endlich unter Gläu⸗ bige, wurde erweckt und nun war mir alles gleich gewiß. Aber ich konnte nicht glauben, daß Chriſti Leib und Blut im Abendmahl ſei. Da dachte ich: wenn du nur wüßteſt, wie die alten erſten Chriſten das Wort: das iſt mein Leib, verſtanden haben, dann würdeſt du es auch glauben. Denn ich meinte: Ja, der Zwingli hat auch bedeutende Gründe für ſich. Ach! dachte ich: wenn du nur ein Buch aus der Apoſtel Zeit hätteſt! Bei einem Juden fand ich dann das Neue Teſtament in fünf Ueberſetzungen und hinten drangebunden die Schriften der Schüler der Apoſtel, welches ich mir für 6 Groſchen kaufte. Nun fand ich endlich eine Stelle, die lautete in ſchlechter Ueberſetzung: „Dankſagung iſt Fleiſch und Blut Chriſti, und wer das leugnet, dem ſoll man aus dem Wege gehen, wie einem wilden Thiere.“