# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S244 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 244 Welch' eine theure Gabe Gottes wir an unserer Synodalgemeinschaft haben. nicht ungeschickt werden! Dazu sind sie doch nicht Pfarrer geworden, und Gewinn für die Amtsführung werfen diese Beschäftigungen höchstens dann ab, wenn sie als Erholung nach starker geistiger Arbeit dienen. Fehlt aber die letztere, so ziehen sie den Menschen nur ins Profane herunter. Wenn dann auch bisweilen ein kurzer Anflug aus der Tiefe nach Oben genommen wird; die Flügel versagen in der ungewohnten Anstrengung bald den Dienst. Gesellen zu dem Allen sich noch Sorgen der Armuth, die gern wie ein giftiger Mehlthau auf den Geist sich lagern, so geht erst recht in Erfüllung das Wort: „Wem das Herz bekümmert ist, fällt auch der Muth." (Spr. Sal. 15, 13.) Dann häufen sich die Schwierigkeiten. Ohne Mittel, durch gute Bücher sich fortzubilden und mit der Wissenschaft einigermaßen in Verbindung zu bleiben; durch seine Armuth an die Scholle gebunden und gehindert, an den großen belebenden und fruchtspendenden kirchlichen Versammlungen und Vereinen sich zu betheiligen, nähret der einsam Lebende sich kümmerlich an abgeleiteten, spärlichen Rinnsalen, und seine von vorn herein vielleicht nur geringe innere Energie kränkelt und siecht allgemach dahin. Vergißt sich doch sogar die Fleisch und Blut gewordene Muttersprache in der Einsamkeit oder unter fremd redenden Menschen. Eine Kohle allein erlischt bald, während die Gluth mehrerer sich gegenseitig erhitzt und entzündet. Also verglimmt manche sich selbst überlassene Kraft; und wo das Rauschen lebendiger Wasser sollte zu hören sein, ist Stagnation eingetreten. Wehe dem, der allein ist! — Noch schlimmer aber gestaltet es sich, und das ist eine häufig vorkommende Thatsache, wenn der Landpfarrer seine Einsamkeit durch ein weltförmiges Leben zu erheitern sucht. Druck und Angst kann das Herz zum Gebet führen, das Gemüth tiefer und inniger machen; aber Fleischesfreiheit macht die Seele kalt und sicher, frech und stolz, frißt hinweg des Glaubensoele, läßt nichts als ein faules Holz. Nicht auf alle Pastoren kann das Wort des Psalmes (119, 63.) angewendet werden: „Ich geselle mich zu allen, die dich fürchten und deine Befehle halten." Mancher Geistliche, der berufen ist, ein Zeuge Jesu Christi zu sein, lebt in vertrautem Umgang mit Personen, die, wiewohl von Rang, Stand und weltlicher Bildung, doch das Wort Gottes und die Predigt landkundig verachten, den Sonntag in allerlei Weise ungescheut entheiligen, an ungeistlichen, faulen Geschwätzen sich erfreuen, ohne Buße und Gnade dahin leben, deren ganze Religion nur in einem gewissen savoir-vivre besteht und deren geselliges Leben in den Worten beschlossen ist: „Sie setzten sich nieder zu essen und zu trinken und standen auf zu spielen." Solche Personen können allerdings sogenannte gemüthliche Menschen sein, d. h. Leute von einer gewissen sinnlichen Behaglichkeit, die es in keinem Stück zum rechten Ernst kommen läßt; aber diese fleischliche Gemüthlichkeit giebt und empfängt nichts Wesentliches, streift immer an der Oberfläche der Dinge und macht mit der Zeit die Seele herzlich dürr und fade. Wer in solchem weltförmigen Leben sich gehen läßt, läuft die größte, ja eine unvermeidliche Gefahr, an dem innern Auge zu erblinden. Wo das Leben nicht unter die