# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 48 Verhandlungen der zehnten Verſammlung Chriſt darf denken: Verführt mich mein Paſtor, ſo hat er's zu verantworten. Wohl iſt letzteres wahr, aber wer ſelig werden will, muß ſeines eignen Glaubens leben. Darum, ihr lieben Chriſten, bedenket wohl, ſo lieb euch eure Seligkeit iſt, ſo nöthig habt ihr's, daß ihr ſelbſt in Gottes Wort ſtudiret, damit ihr mündig werdet und feſt wie Säulen daſtehet, wenn ihr auch nicht alle die Gabe müſſet haben, eure Lehre anderen zu beweiſen und den Irrthum zu widerlegen. Denn dieſe Gabe beſitzen nicht nur nicht viele Laien, ſondern ſelbſt manche Prediger nur in geringem Grade. Da⸗ hin ſoll aber jeder einzelne Chriſt kommen, daß er ſagen kann: Ich glaube nicht dem Prediger, weil er es ſagt, ſondern weil ich dieſe Lehre in Gottes Wort gefunden habe. Und da ein Chriſt vor allen Dingen nach dem Reiche Gottes trachten ſoll, ſo ſpreche doch Niemand: ich habe keine Zeit, über den Büchern zu ſitzen. Dieſe Zeit müßt ihr euch nehmen, denn ihr müßt dahin kommen, daß ihr eures Glaubens aus Gottes Wort ſo gewiß werdet, daß ihr ſagen könnt: Und wenn alle unſere Paſtoren von dieſer Lehre abfielen, wir bleiben dennoch dabei. Luther beſchreibt den Glauben auch alſo: „Glaube iſt eine lebendige, erwegene Zuverſicht auf Gottes Gnade, ſo gewiß, daß er tauſendmal dar⸗ über ſtürbe.“ (Vorrede zum Briefe St. Pauli an die Römer. XIV, 115.) Jeder ſoll ſich daher wohl prüfen, ob er ſo ſteht in ſeiner Lehre und Glauben, daß er tauſendmal darüber ſtürbe. Einen ſolchen Glauben hatten die lieben Märtyrer. Wäre er nur eine Vermuthung geweſen, ſo hätten ſie ſich gewiß nicht vor die wilden Thiere werfen und von ihnen zerfleiſchen laſſen; aber ſie waren gewiß: Wenn ich jetzt ſterbe, ſo komme ich zu Gott in den Himmel und ſehe ſeine Herrlichkeit. Jetzt iſt zwar keine Verfol⸗ gung, aber jeder ſollte zuſehen, ob, wenn eine Verfolgung jetzt herein⸗ bräche, ſein Glaube dann dieſe Probe beſtehen würde. Ferner ſchreibt Luther: „Der Heilige Geiſt iſt kein Skepticus“ (das war unter den Heiden eine philoſophiſche Secte, deren Princip war, an allem zu zweifeln); „er hat nicht einen ungewiſſen Wahn in unſer Herz geſchrieben, ſondern eine kräftige große Gewißheit, die uns nicht wanken läßt und (will's Gott) nicht wird uns wanken laſſen, ſondern (Gott Lob!) ſo gewiß macht, als gewiß wir ſind, daß wir jetzund natürlich leben oder daß zwei und drei fünf ſeien.“ (Daß der freie Wille nichts ſei. XVIII, 2066.) Wenn mir Jemand beweiſen wollte, ich lebte gar nicht, ich bildete mir das bloß ein, könnte der mich wohl irre machen? Gewiß nicht. Ich fühle es ja, daß ich lebe. Einem Schulknaben von 10 Jahren wird auch Nie⸗ mand weis machen können, daß zwei und drei ſechs ſind. So ſoll es auch mit unſerem Glauben beſchaffen ſein. Ich ſoll gerade ſo gewiß ſein, daß meine Lehre recht iſt, als ich gewiß bin, daß ich lebe. Quenſtedt ſchreibt daher: „Die göttliche Offenbarung iſt das erſte und letzte Princip der heiligen Theologie, über welches hinaus es in