# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 47 trächtigen Text. Denn Zwingli ſagte: Das bedeutet meinen Leib, und ſein Glaubensbruder Oecolampad: Das iſt meines Leibes Zeichen. Luther da⸗ gegen ſagt: ich habe nur Einen Text, den Gottes Wort gibt: Das iſt mein Leib. Ihr könnt nun nicht zu Gott ſagen: ich will lieber mit dem zwie⸗ trächtigen Text es halten, denn der ſteht nicht in der Bibel. Und wenn Luther ſagt: „Iſt etwas finſter darinnen, ſo haſt du es wollen ſo finſter haben“, ſo ſollen wir das gerade jetzt in der Lehre von der Gnadenwahl uns wohl merken. Es iſt ja da auch etwas finſter. Deut⸗ lich ſagt Gott, daß er wolle, daß alle Menſchen ſelig werden, und dann hören wir wieder in der Lehre von der Wahl: während Millionen um ihres Unglaubens willen verloren gehen, werden die anderen ohne ihr Zuthun durch den Glauben ſelig, den doch Gott allein in ihnen gewirkt hat. Das können wir mit unſerer Vernunft ſchlechterdings nicht reimen. Was ſollen wir nun thun? Wir ſollen eben beides ſtehen laſſen, beides glauben. Es iſt eben beides in der Schrift gelehrt. Die Gnade Gottes geht über alle Menſchen, das iſt ſonnenhell und klar in der Schrift und iſt unſer höchſter Troſt Tag und Nacht, in guten und böſen Tagen und in der Stunde des Todes. Das lehren wir auch mit ganzem Ernſte. Und wenn unſere Gegner leugnen, daß wir dieſe Lehre haben, ſo ſind ſie ſchändliche Ver⸗ leumder. Unſere angebliche Sünde beſteht nur darin, daß wir auch das glauben, was daneben von der Wahl in der Schrift gelehrt wird. Was davon dunkel iſt, das wird Gott allein auflöſen im Licht des ewigen Lebens. Wir haben nur einen einträchtigen Text von der Wahl. Dagegen unſere Widerſacher haben einen zwieträchtigen. Denn die Hauptſtellen von der Wahl, Röm. 8. Eph. 1. Joh. 15. und Apoſt. 13. werden von ihnen ganz verſchieden ausgelegt; der eine lehrt ſo und der andere anders. Wie die heilige Schrift den Glauben definirt, ſehen wir aus Ebr. 11, 1.: „Es iſt aber der Glaube eine gewiſſe Zuverſicht deß, das man hoffet, und nicht zweifeln an dem, das man nicht ſiehet.“ Hier gibt der Apoſtel das an, was zum Weſen des Glaubens gehört, nämlich eine ge⸗ wiſſe Zuverſicht (ὑπόστασις im Griechiſchen, d. h. ein feſtes Fundament, worauf man ſicher ruhen kann). Wer alſo hin und her ſchwankt in einer Lehre, oder wer zwar eine Lehre feſthalten will, aber ſie auf Menſchen⸗ autorität gründet, der hat keinen Glauben daran. Den Vater aller Gläubigen, Abraham, beſchreibt der Apoſtel, Röm. 4, 20—22., alſo: „Denn er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, ſondern ward ſtark im Glauben und gab Gott die Ehre, und wußte aufs allergewiſſeſte, daß, was Gott verheißet, das kann er auch thun. Darum iſt's ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet.“ Das iſt alſo der rechte Glaube, wenn man etwas aufs allergewiſſeſte weiß. Dies iſt aber nur dann möglich, wenn unſer Glaube auf Gottes Wort und Ver⸗ heißung gegründet iſt, wie Abrahams Glaube. Auch der einfältigſte Chriſt darf ſich in Glaubensſachen nicht auf ſeinen Prediger verlaſſen. Kein