# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S47 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 45 gleich zu achten, und ſie blieben dabei, auch nachdem Chriſtus alle Vorbil⸗ der erfüllt und damit aufgehoben hatte. Als nun Paulus kommt und ihnen zeigt, daß jene Gebote keinerlei Verbindlichkeit mehr haben, da wird ihnen angſt und bange, ob ſie auch recht thäten, dem Apoſtel zu folgen. Daher denn auch der Apoſtel ſo ſäuberlich mit ihnen verfährt. So ergeht es jetzt in unſerem Streit auch manchem. Er hat vielleicht früher weiter nichts von der Gnadenwahl gehört und geglaubt, als daß Gott diejenigen erwählt hat, von denen er vorausgeſehen, daß ſie ſich bekehren und bis zum Tode treu ſein würden. Und jetzt hört er mit einem Male, daß dies nicht richtig iſt, daß nämlich die Wahl eine Wahl allein der Gnade ſei, während auf der anderen Seite die Gegner ſchreien: Das iſt calviniſch! Da begegnet es wahren Chriſten, daß ſie ganz unruhig werden und daß in ihnen eine Stimme ſagt: Wie? ſollten unſere Lehrer wirklich abge⸗ fallen ſein und uns vielleicht doch zu Calviniſten machen wollen? Da gilt's denn, ihr theuren Brüder, daß ihr eure Bibel zur Hand nehmt und fleißig unſere Lehre daran prüft. Ihr ſollt ja uns, euren Lehrern, kein Wort eher glauben, als bis ihr erkannt habt, daß auch die heilige Schrift ſo lehre. Habt ihr aber unſere Lehre in der Bibel gefunden, dann werdet ihr getroſt und fröhlich Ja und Amen dazu ſagen und auch dabei bleiben, wenn andere auch noch ſo greulich dieſe Lehre als Calvinismus, ſei es aus Bosheit oder in Blindheit, verläſtern. Steht ihr in dieſer geheimniß⸗ vollen Lehre auf Gottes Wort, ſo werden auch die liſtigſten Einwürfe der Vernunft keinen Eindruck auf euch machen. Wie erging es Luther? Wenn er auch eine Bibelſtelle hatte und ſagen mußte: da ſteht's ja, ſo konnte er es doch nicht immer ſogleich ergreifen. Es kam auch ihm vielmehr oft der Gedanke: vielleicht biſt du doch im Irrthum, bis er endlich durch Gottes Wort ſo erleuchtet wurde, daß er nun göttlich gewiß war: ſo und nicht anders kann es ſein. Durch ſolchen Kampf muß jeder Chriſt hindurch und er wird erſt dann göttlich gewiß, wenn er allein auf dem Worte ſtehen bleibt. Das ſtärkſte Argument der Papiſten gegen Luther war: Du biſt allein klug, blicke in die Väter, die ſind alle gegen dich; das iſt teufliſcher Hoch⸗ muth, daß du wider ſie allein recht haben willſt. Mit ſolchen Gedanken plagte der Teufel Luthern anfangs weidlich. Luther ſchreibt daher auch wider die Zwinglianer: „Ihr“ (der Zwinglianer) „Fürgeben“ (nämlich, daß die Worte im Abendmahl: ‚Das iſt mein Leib‘ müßten heißen: Das bedeutet meinen Leib) hat einen Schein, hat auch einen großen Anhang Aller, ſo gelehrt geachtet, in ganzem deut⸗ ſchen Land, aus Urſachen, die ich weiß; aber es fehlet ihnen an Einem Stück: daß ſie noch nicht wiſſen, wie ſchwer es iſt, vor Gott zu ſtehen ohne Gottes Wort; Fürwitz und Frevel kann nicht anders handeln, denn wie ſie handeln.“ (Bedenken des Colloquii halben, im Jahre 1529. XVII, 2355.)