# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S46 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 44 Verhandlungen der zehnten Verſammlung doch noch keinen wahren Glauben an dieſelben. Denn nur ſo viel glaube ich wirklich, als ich als von Gott in ſeinem geſchriebenen Worte geoffenbart erkannt habe. Nur ſo viel hat ein Chriſt Glauben an die Lehren der Schrift, als er ſich im Kampfe gegen ſein eigenes Herz durch Gottes Gnade erobert hat. Denn nur unter Kampf und Noth mit Fleiſch und Blut wird jeder Zoll Glaubenslandes erſtritten. Das iſt es denn auch, was uns Gott ſonderlich in dieſem Streit lehren will. Wer recht glaubt, der glaubt ſelbſt einem Apoſtel Paulus nicht, weil er Paulus iſt, ſondern weil Paulus ihm bewieſen hat, daß der Heilige Geiſt durch ihn redet. Im Tode und Gewiſſensnoth muß ich zu Gott ſagen können: Siehe, lieber Gott, ſo haſt du geredet und das habe ich geglaubt. Dann wird Gott ſagen: Recht ſo! ſo ſollteſt du es machen. Luther hat auch viel Noth mit ſich ſelbſt gehabt, wie er uns das in einer Schrift vom Jahre 1522 zeigt. (Man mißverſtehe nämlich um Gottes willen nicht, was wir oben von den Schriften Luthers vor dem Jahre 1523 geſagt haben; als ob nun alles, was er da geſchrieben, über⸗ haupt nicht richtig ſei. Nein, es finden ſich da nur kleine Krümlein Fal⸗ ſches. Z. B. vor 1523 war Luther noch in manchen Stücken ſehr duldſam gegen das, was im Pabſtthum im Schwange war. Später aber hat er das⸗ ſelbe mit einem wahren Feuereifer verflucht und verdammt als falſche Lehre.) So ſchreibt nämlich Luther: „Ich empfinde täglich bei mir, wie gar ſchwer es iſt, langwährige Gewiſſen und mit menſchlichen Satzungen gefangen abzulegen. O, wie mit viel großer Mühe und Arbeit auch durch gegründete heilige Schrift habe ich mein eigen Gewiſſen kaum können recht⸗ fertigen, daß ich Einer allein wider den Pabſt hab dürfen auftreten, ihn für den Antichriſten halten, die Biſchöfe für ſeine Apoſtel, die hohen Schulen für ſeine Hurenhäuſer! Wie oft hat mein Herz gezappelt, mich geſtraft und mir vorgeworfen ihr einig, ſtärkeſt Argument: Du biſt allein klug! Sollten die andern alle irren und ſo eine lange Zeit geirrt haben? Wie? wenn du irreſt, und ſo viel Leute in Irrthum verführeſt, welche alle ewiglich verdammt würden? — Bis ſo lang, daß mich Chriſtus mit ſeinem einigen gewiſſen Wort befeſtiget und beſtätiget hat, daß mein Herz nicht mehr zappelt, ſondern ſich wider dieſe Argumente der Papiſten als ein ſteinern Ufer wider die Wellen auflehnet und ihr Dräuen und Stürmen verlachet.“ (Vom Mißbrauch der Meſſe. Vom Jahre 1522. XIX, 1305.) Ja, ſo iſt es: Hat man etwas eine lange Zeit in irrigem Gewiſſen geglaubt und es kommt ein anderer und will uns das nehmen, da gibt es erſt einen großen Kampf im Gewiſſen, bis das Wort Gottes, welches über dem Gewiſſen ſteht, dem Streit ein Ende macht, und zwar bei wahren Chriſten nicht eher. So waren z. B. die Juden nicht nur von Jugend auf gewohnt, die von Gott ſelbſt ihnen im Alten Teſtament geſtellten Ceremonialgebote den Moral-Geboten der Verbindlichkeit nach für völlig