# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 41 Meine Gemeinde will ich bauen auf dieſen Felſen und die Pforten der Hölle ſollen ſie nicht überwältigen. Denn ſchiebt man ihr die Lehre der Väter unter, ſo iſt ſie auf Sand gebaut und wird ſie in der erſten beſten Anfech⸗ tung dahinfallen. Der erſte Sturmwind falſcher Lehre wird ſie in Trüm⸗ mer legen. Sobald man Menſchenweisheit in die Kirche hereinbringen will und ſo die heilige Schrift entthront werden ſoll, da ſollen wir daher ſogleich aufſtehen, unſere Kleider in Entrüſtung zerreißen und uns mit aller Macht dagegen ſetzen, damit kein Stäubchen Menſchenlehre auf den Plan komme. Das fordert die Ehre Gottes und das Heil der armen Sünderwelt. Doch auch das iſt ein Grund, jenes Princip zu verwerfen, weil es wider die in der Schrift enthaltende Lehre iſt. Nun hätten wir ja eine ganze Menge von Lehren anführen können, gegen welche der Grundſatz verſtößt, Sachen des Glaubens aus den Schriften der Väter zu begründen und die Gewiſſen an die Lehrentſcheidungen derſelben zu binden. Zu unſe⸗ rem Beweiſe wird es aber genügen, wenn wir, wie in unſeren Theſen ge⸗ ſchieht, nur die beiden betreffenden Hauptlehren dazu vergleichen. Es iſt nämlich erſtens wider die Natur des Glaubens der Chriſten, welche derſelbe nach der Schrift hat, nämlich auf Gottes Wort gegründet und darum göttlich gewiß zu ſein. Es iſt wahr: es iſt ſehr leicht zu glauben, wenn man gewöhnt iſt zu ſagen: ſo ſchreibt ein Luther, Hunnius, Gerhard u. a. und die haben doch gewiß das Richtige, und weil die ſo glauben, ſo glaube ich es auch. Tau⸗ ſende ſtehen in dieſem Glauben. Aber das iſt kein wahrer, ſondern nur ein gemalter Glaube. Denn er ſteht auf einem falſchen Grunde. Der wahre Glaube ſteht allein auf Gottes Wort. Es iſt freilich ſchwer, eine Lehre für unumſtößlich wahr zu halten, wenn man kein Zeugniß von großen heiligen Männern dafür hat, ja, wenn wohl gar alle mir zurufen: Du lehrſt falſch! und ich ſoll ſagen: Ich habe dennoch recht, und wenn die ganze Welt dagegen auftritt, ſo bleibe ich dennoch bei dieſer Lehre. Hierin übertrifft Luther alles. Als er im 16ten Jahrhundert mit der reinen Lehre hervortrat, da mußte er ſich ſagen: ſo iſt ſeit mehr als 1000 Jahren nicht gelehrt worden. Gegen jede ſeiner Lehren konnten die Papi⸗ ſten Citate aus einem Kirchenvater beibringen, obwohl allerdings Luther auch wiederum einzelne Citate aus den Kirchenvätern für ſeine Lehre an⸗ führen konnte. Er konnte ſich aber bei ſeiner ganzen Lehre auf kein ein⸗ ziges Concilium, noch viel weniger auf die Lehrer des Mittelalters, die Scholaſtiter, nicht auf den Pabſt, nicht auf die Cardinäle, auch nicht auf die Theologen der Facultäten, noch auch auf die Lehrer in den Klöſtern be⸗ rufen. Ja, alle ſogenannten Aufgeklärten, die in vielen Stücken nicht mit dem Pabſt ſtimmten, wie z. B. ein Erasmus, auch ſie waren wider ihn. Seinen eigenen Mitbekennern wurde es oft angſt und bange, namentlich