# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 40 Verhandlungen der zehnten Verſammlung Es iſt ein großer Unterſchied im Gebrauch von Citaten aus den Vätern. Wenn eine Lehre ſchon als eine Schriftlehre allgemein anerkannt iſt, ſo mag man immerhin viel aus den Schriften der Väter dafür vorleſen, wenn man das nur nicht thut, um die Lehre damit zu beweiſen; ſondern weil ſehr häufig die Kirchenväter eine Lehre aus der Schrift viel beſſer begrün⸗ den, als man es ſelbſt vermag. Sobald aber ein Streit über eine Lehre entſteht, dann muß man auf die Schrift zurückgehen. Mag es darum Prof. Schmidt noch ſo hoch betheuern, daß er mit den Vätern keine Ab⸗ götterei treibe und nur die Schrift Richterin ſein laſſe, er widerlegt dies mit der That. Wenn hier nun geſagt wird, unſere Gegner haben papiſtiſch gehan⸗ delt, geredet und argumentirt, ſo iſt damit nicht geſagt, daß bei ihnen dies Papiſtiſche der Grundfehler ſei. Denn es iſt kein Zweifel: der Grundfehler bei ihnen iſt Rationalismus, Vernunftreligion. Sie wollen nach dem common sense beſtimmte ſich ſcheinbar widerſprechende Stellen zurecht⸗ legen, anſtatt ihre Vernunft gefangen zu nehmen. Deshalb nehmen ſie ihre bekannte Stellung in der Lehre von der Gnadenwahl ein. Aber um nun dieſe unter's Volk zu bringen, benutzen ſie die Väter. Und ſo ge⸗ rathen ſie denn, ohne es zu wollen, in ein durch und durch papiſtiſches Verhalten hinein. In dem erſten Artikel, den ſie gegen uns ſchrieben, ſagten ſie gleich: Sollte es möglich ſein, daß hierin unſere Väter ſeit 300 Jahren geirrt haben? Das iſt aber eben echt papiſtiſch geredet. Das Princip der Unterwerfung unter traditionelle Auslegungen iſt damit in der Ohioſynode klar aufgeſtellt. Und wenn ſie in einzelnen Fällen vor ihren Gemeinden nicht ſo ſehr auf die Väter pochen, ſondern ſich ſtellen, als ob ſie alles aus der Schrift holten, während ſie die Hauptſache doch aus den Vätern geholt haben, ſo iſt das um ſo ſchlimmer für das arme Volk und die Gefahr um ſo größer. Würden ſie immer und überall die Väter vor⸗ ſchieben, ſo könnte eher dieſer oder jener zur Erkenntniß kommen, an ihnen irre werden und ſagen: Am Ende ſtehen wir doch nicht recht. Der zweite Grund, warum es ſchriftwidrig iſt, Sachen des Glaubens aus den Schriften der Väter begründen und die Gewiſſen an die Lehrentſcheidungen derſelben binden u wollen, iſt: Weil es wider die Lehre der Schrift iſt. Zwar iſt es ſchon Grund genug, dies zu verwerfen, wenn man in Sachen des Glaubens die Gewiſſen an die Schriften der Väter und an ihre Lehrentſcheidungen binden will, daß dies der der Schrift allein zukommen⸗ den Autorität widerſtreitet. Denn damit wird die Schrift vom Throne ge⸗ ſtoßen und Menſchen auf denſelben geſetzt. Damit wird der Kirche ihr ewiger Grund unter den Füßen weggezogen; dann ſteht ſie ja nicht mehr auf einem Felſen, der nicht wanken kann, davon der HErr Chriſtus ſagt: