# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S243 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Welch' eine theure Gabe Gottes wir an unserer Synodalgemeinschaft haben. 243 schen Staatskirche im Auge haben, aber im Wesentlichen auch für uns ihren vollen Werth behalten, da ihre Erwägung uns zum Danke gegen unsern HErrn, das einige Haupt der Kirche, der den Menschen Gaben gegeben hat, Eph. 4, und zum treueren Gebrauche derselben erwecken kann. „Die Kirche hat es durchweg mit dem Persönlichen im Menschen zu thun und macht dasselbe bis in sein Innerstes zum Gegenstand ihrer Sorge. Darum ist in der Kirche eine irgendwie büreaukratische Leitung, die ja ihrer Natur nach nur mit stehenden Formen und Einrichtungen sich zu schaffen machen kann, völlig unstatthaft. Vielmehr kommt es ganz und gar auf persönliche Leitung an, und diese soll, von den einzelnen Pastoren aufwärts gerechnet, zunächst in dem Superintendenten (Präsidenten) lebendig hervortreten. Der Superintendent soll, als ein rechter Bischof der ihm untergebenen Pastoren, als treuer Seelsorger der Einzelnen sich beweisen, und als das Haupt der Synode nicht blos der Form nach dastehen, sondern in der That und Wahrheit also erfunden werden. Gerade jene Seelsorge muß bei seinem Amt in den Vordergrund treten, wie bei jedem wahrhaft kirchlichen Amt; denn alle übrige Kirchengewalt ist nur ein Ausfluß und eine Begleiterin jenes göttlich beglaubigten Berufs: wer in der Kirche herrschen soll, muß zunächst denen, über die er herrschen soll, in der Seelsorge dienen. Dieser ersten Aufgabe des Superintendenten kommt auch das dringende Bedürfniß entgegen. Denn es thut zwar dem Pastor bei seinem zwar köstlichen, aber so schweren und verantwortungsvollen Amt im Allgemeinen schon die Seelsorge Noth, namentlich dem noch unerfahrenen und in seiner Herzensstellung noch nicht gegründeten; aber im Besonderen hat noch der Landpfarrer mit einer eigenthümlichen Versuchung zu kämpfen, die Viele schon gefällt hat, und deren Macht mit den Jahren eher zu⸗ als abnimmt. Das ist seine einsame und der geistlichen Anregung von Außen so sehr entbehrende Stellung. An ihm erfüllt sich gar zu häufig das Wort: „Wehe dem, der allein ist." (Pred. Sal. 4, 10.) Bei Vielen wirkt diese Einsamkeit geistig erschlaffend; sie widerstehen auf die Länge nicht der Monotonie ihrer Umgebung; ihre oftmals schon geringe Spannkraft zehrt sich auf; eine Art geistiger Erstarrung überschleicht sie allmälig und unerwartet, vor der Zeit alt geworden, sterben sie bis zu einem gewissen Grade den höheren Interessen des Lebens, ja dem Verständniß derselben ab. Wie spärlich, wie mühsam, zum Theil wie kostspielig ist nicht der Umgang mit dem einen und dem andern Amtsbruder, und wie wenig lohnend ist doch auch die Gemeinschaft zweier oder dreier gleich herunter gestimmter Seelen. Schon der nichts weniger als prägnanten Gedanken⸗ und Redeweise solcher Männer merkt man ihr matt dahinfließendes Dasein an; sie sind breit und oberflächlich im Gespräch und im Predigen; wie selten ist es ihnen auch vergönnt, einen andern Geistlichen zu hören und sich dadurch für eine Zeit wieder aufzufrischen. So gerathen sie in ein schlaffes Sichgehenlassen, in ein steriles Begnügen an sich selber. Was hilft es, daß sie den größten Theil ihrer Zeit nicht unnützlich mit Acker⸗ oder Gartenbau ausfüllen, und in diesen Künsten