# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 38 Verhandlungen der zehnten Verſammlung ſie immer weiter von der Wahrheit ab, eifern ſie nun für ihren Irrthum mit Unverſtand, und bilden ſie ſich dabei ſteif und feſt ein, das Amt der Wächter über die reine Lehre zu verwalten. Denen aber, die aus der Wahrheit ſind, bringt der gegenwärtige Streit nur Segen. Welches helle Licht hat dieſer Streit darüber gebracht, daß der freie Wille nichts ſei, was es heiße, durch den Glauben ſelig werden und aus Gnaden ſelig werden, was es heiße, ſeine Seligkeit hoffen u. ſ. w.! Wie viel Sauerteig des Synergismus iſt dadurch auch bei denen ausgefegt worden, die davon frei zu ſein meinten! Wie viel vorſichtiger, unmißverſtändlicher und beſtimmter zu reden und zu ſchreiben hat uns dieſer Streit gelehrt! Im Streit heißt es eben: Nimm dich in Acht, daß du nichts ſagſt, was etwa der Feind benutzen könnte, ſeine Irrlehre dahinter zu verbergen oder deine Wahrheit zu verdächtigen und zu verläſtern. Nicht zu überſehen iſt auch, daß Kromayer nicht von Ketzereien, ſondern nur von Flecken der Väter redet. Dieſe gottſeligen Männer haben nicht mit Bewußtſein die Schrift verlaſſen, ſondern aus menſchlicher Gebrechlichkeit. Daher ſoll man auch die Blöße der Väter, ſo viel es mit gutem Gewiſſen geſchehen kann, zu⸗ decken. Das haben wir denn auch gethan. Man wirft uns zwar vor, daß wir früher ganz anders von den Vätern geredet hätten, als jetzt. Aber was hatten wir denn früher für einen Beruf, dieſe theuren Männer unſe⸗ rem lutheriſchen Chriſtenvolke verdächtig zu machen, deren Lehre wir erſt ins Volk hineinbringen mußten? Zu ſeiner Zeit konnten wir denn auch ſagen: Seht, lieben Brüder, hierin und darin iſt die Lehre ſelbſt dieſer theuren Lehrer nicht ganz richtig. Und das haben wir auch ſchon von An⸗ fang an nicht ganz verſchwiegen. Wir haben z. B. gezeigt, daß ſie nicht richtig vom Sonntag lehren, wenn ſie ſagen, der Sonntag ſei von Gott eingeſetzt und an die Stelle des jüdiſchen Sabbaths geſtellt. Wir ſagen nun mit alle dem nicht, daß hingegen unſere Gegner über⸗ haupt gar nichts von der Schrift und nur von den Vätern etwas wiſſen wollen. Denn hätten ſie das gethan, ſo hätten ſie ſich ja gleich deutlich vor der ganzen Chriſtenheit als Ketzer offenbart. Das hat ja auch noch kein Ketzer gethan. Weder Arius noch Pelagius, weder Zwingli noch Oecolampad, kurz, kein Ketzer, auch nicht einmal der Pabſt ſagt: ich gehe nicht nach der Schrift. Unſere Gegner reden vielmehr ſehr hoch von der Schrift. Aber wir fragen: Woher haben ſie das Intuitu fidei? Antwort: Aus den Vätern und nicht aus der Schrift. Die Schrift mußten ſie erſt darnach umdeuten, wie ſie z. B. bei Röm. 8. thun. Während hier der Apoſtel von Gott ſagt, daß er Perſonen zuvor verſehen, d. i. erwählt hat, wie unſer Bekenntniß dies Wort richtig auslegt, ſagen ſie: er hat den Glauben — vorhergeſehen. So tragen ſie den Glauben erſt in dieſe Stelle der Schrift hinein und geben ſie ſich bei ihrem Volke den Schein, als ob auch ſie ihre Lehre mit der Schrift bewieſen. Weil ſie nun auf einer Lehre feſtbeſtehen, die ſie nicht aus der Schrift, auch nicht