# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 37 ſind die Schriften der Väter zu leſen, wenn ſie, entweder aus Schuld ihrer Zeit, wie von einem wilden Strome zum Verkehrten mit fortgeriſſen worden ſind, oder wenn ſie vor erregten Streitigkeiten allzu unvorſichtig und unbedacht (securius) geredet haben, oder wenn ſie im Schreiben in Erkennt⸗ niß fortgeſchritten ſind, oder im Fortſchreiten geſchrieben haben. Denn es wird nicht leicht Einer unter den Vätern gefunden werden, welcher nicht ſeine Flecken (naevi) hätte. Obſchon die Blöße (pudenda) der Väter, ſo viel es mit gutem Gewiſſen geſchehen kann, zuzudecken iſt.*) (Th. po- sit.-polem. P. II. pag. 36.) Der HErr Chriſtus ſagt auch von ſeinen Chriſten: „Ihr ſeid das Licht der Welt.“ Er ſagt nicht: Ihr ſeid die Götter der Welt. Wir ſollen von allen Vätern ſagen: ſie können irren und ſie haben geirrt. Selbſt in Luthers Schriften ſind Irrthümer, nämlich aus der Zeit, da er das Geheimniß der Bosheit noch nicht klar durchſchaut hatte. Dieſe Irr⸗ thümer hat er aber ſpäter verworfen, und ausdrücklich gebeten, man ſolle Mitleiden mit ihm haben, denn er habe erſt nach und nach zur Erkenntniß kommen müſſen, da ihm die rechte Lehre nicht unmittelbar vom Heiligen Geiſt eingegeben wurde. Seit dem Jahre 1523 aber hat Luther in keinem Artikel des chriſtlichen Glaubens mehr Falſches gelehrt, obwohl er ein irr⸗ thumsfähiger Menſch blieb. Bemerkenswerth in dem obigen Citat iſt auch, daß Kromayer ſagt: Je jünger die Kirchenväter der Zeit nach ſind, deſto mehr Irrthümer finden ſich auch bei ihnen. Was aber die älteren Kirchenväter betrifft, ſo geriethen ſie oft im Streit in Irrthum. So iſt es auch den lutheriſchen Vätern z. B. in dem Streite über die Lehre von der Wahl ergangen, als Samuel Huber auftrat und lehrte, alle Menſchen ſeien erwählt. Dieſen nun zu widerlegen, ſagten unſere lutheriſchen Väter: Nein, nicht alle Menſchen ſind erwählt, ſondern nur diejenigen, von denen Gott vorausgeſehen hat, daß ſie an Chriſtum glauben würden, und zwar in Anſehung dieſes ihres Glaubens. So iſt dieſe Lehre in unſere Kirche hineingekommen in der allerbeſten Meinung, nämlich um jenen Irrgeiſt da⸗ mit zu widerlegen. Zu gewiſſen Zeiten, wo Irrthümer ſehr allgemein wurden, riß es auch manche ſonſt rechtgläubige Lehrer unvermerkt in dieſen Strom hinein und ſie ſchwammen mit, wie z. B. in jener erſchrecklichen Zeit nach Luthers Tode bis zur Entſtehung der Concordienformel vielfach geſchah. Sonſt kommen die Theologen auf verkehrte Redeweiſe in einer Lehre, wenn gar kein Streit über dieſelbe iſt, da werden ſie nur allzu leicht ſorglos. Stehen aber Widerſprecher auf, ſo werden dieſe gleichſam die Schleifer der treuen Lehrer, die ſie poliren und nöthigen, ſich vorſichtig auszudrücken. Darum ſollen wir auch nicht ſo traurig ſein über den Streit, der unter uns ausgebrochen iſt. Für die Abgefallenen iſt derſelbe freilich ein ſchreckliches Verhängniß. Auf falſche Bahnen gerathen, irren *) Das wird uns jetzt zum Vorwurf gemacht.