# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Verhandlungen der zehnten Verſammlung nach der Vernunft auslegen, ſondern nach klareren Schriftſtellen. Denn nur das ewige Licht kann das ewige Licht uns ſichtbar machen. Aber dann müſſen es auch zum Anderen ſolche Schriftſtellen ſein, die von derſelben Sache handeln. Die Tactik unſerer Gegner aber iſt die: Haben ſie eine dunkle (oder auch eine klare) Stelle von der Wahl vor ſich, dann nehmen ſie ſolche Stellen hinzu, die von einer ganz anderen Sache handeln, z. B.: Wer glaubt, wird ſelig. Damit iſt aber für die Wahl gar nichts bewieſen, daß man ſagt: Wir werden durch den Glauben ſelig. Das iſt ja eine ganz andere Lehre, nämlich die Lehre von der Rechtfertigung. Wollen unſere Gegner ihre Lehre beweiſen, müſſen ſie uns vielmehr eine Stelle zeigen, die da ſagt: der Glaube iſt die Urſache unſerer Erwählung. — Es iſt ja freilich wider die ganze Schrift, daß Gott wie in einen Glückstopf hineingegriffen und geſagt habe: Den Menſchen will ich ſelig machen und den anderen nicht. Denn hell wie Sonne bezeugt die ganze Schrift, daß Gott alle, alle Sünder ſelig machen will. Und doch bleibt beides wahr: Gott hat im Menſchen keine Urſache gefunden, ihn zur Seligkeit zu er⸗ wählen, und: wer erwählt iſt, der hat's aus Gottes freiem Erbarmen. Warum? — Weil die Schrift eben beides auf das deutlichſte und klarſte lehrt. Wie ſich das nun aber zuſammenreime, das wiſſen wir nicht und ſollen und wollen wir nicht wiſſen. Und das iſt gerade der Greuel des Calvinismus, daß er dieſes Geheimniß nicht ſtehen laſſen, ſondern es durch gottesläſterliche Leugnung der allgemeinen Gnade löſen, aber auch der Greuel des Synergismus, daß er jenes Geheimniß dadurch löſen will, daß er, die Seligkeit allein aus Gnaden ſchändlich verleugnend, be⸗ hauptet, der Grund der Erwählung eines Menſchen liege in ſeinem beſſeren Verhalten und in ſeiner eigenen Entſcheidung. Wie die Kirchenväter anzuſehen ſind dem Worte Gottes gegenüber, zeigt auch ſchon Hieron. Kromayer: „Die Väter waren Lichter, nicht Götter.*) . . Wir ſind allein erbauet auf den Grund der Apoſtel und Propheten, da JEſus Chriſtus der Eckſtein iſt, Eph. 2, 20. Die Väter aber haben nicht das Privilegium der Infallibilität und ſie haben ihre Sachen nicht geſchrieben mit der Nothwendigkeit, daß man ihnen glaube, ſondern mit der Freiheit, daß man ſie richte. Ja, ſie haben auch ſelbſt Widerrufsbücher geſchrieben. — Wir fügen hier beiläufig hinzu, daß die Bücherſammlungen der Väter mit zweierlei Augen durchzu⸗ leſen ſind: 1. mit dem Auge der Klugheit und 2. mit dem Auge der Liebe. Mit dem Auge der Klugheit, daß man die echten Schriften nicht ver⸗ wechſle mit den untergeſchobenen oder verſtümmelten; die ſpäteren, welche mehr Unreinigkeit angenommen haben, nicht mit den älteren, und ſo das goldene Zeitalter nicht mit dem bleiernen, die Lehrbücher nicht mit den Streitſchriften und Predigtbüchern. Mit dem (Auge) der Liebe aber *) Patres fuerunt lumina, non numina.