# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 33 XVIII, 2098.) Das merke man ſich wohl. Wer die Gewiſſen an eine Lehre bindet und nicht ſagt und beweiſt: ſo ſteht in der Schrift, der iſt ein elender Gewiſſenstyrann, ja, der macht ſich ſelbſt zu Gott. Wir ſollen eben wiſſen, kein Menſch iſt ſicher vor Irrthum. Wie Luther ſchreibt: „Der⸗ jenige kann ſich allein rühmen, daß er in keinem Stücke geirret, welcher in dieſem Leben ohne Sünde iſt.“ (Schlußrede zur Ausl. der 22 erſten Pſalmen. Vom J. 1521. IV, 1621.) Daraus kann man denn ent⸗ nehmen, daß es gar nicht unbeſcheiden iſt, wenn man ſagt: Auch ein Hun⸗ nius kann irren, auch ein Gerhard, Quenſtedt, und wie ſie alle heißen, kön⸗ nen irren. Wer das nicht will zugeben, der iſt ein greulicher Anbeter der Creatur. Auch J. Gerhard ſchreibt von den Vätern: „Obgleich wir bereit ſind, alle und jede Artikel unſeres Glaubens, welche zwiſchen uns und den Papiſten ſtreitig ſind, mit klaren und deutlichen Zeugniſſen der alten Väter zu beſtätigen, und obgleich dies von den Unſrigen auch ſchon öfters ge⸗ ſchehen iſt, ſo können wir doch nicht, noch dürfen wir die Schriften der Väter für die Norm der Lehre in der Kirche anerkennen: 1. weil dieſe Würde und Autorität allein den kanoniſchen Schriften der Propheten und Apoſtel zugehört; 2. weil die Väter ſelbſt ihre Schriften nach der Norm des göttlichen Kanons prüfen heißen; 3. weil die Papiſten ſelbſt leugnen, daß die Autorität der Väter immer authentiſch ſei (d. h. man könne nicht immer wiſſen, ob der Kirchenvater es auch geſchrieben habe, dem es zuge⸗ ſchrieben wird); 4. weil die Väter weder in den Glaubenslehren noch in der Auslegung der Schrift mit einander durchaus übereinſtimmen; 5. weil viele Schriften der Alten untergegangen ſind; 6. weil hingegen diejeni⸗ gen, welche noch vorhanden ſind, an vielen Stellen gefälſcht und verderbt ſind; 7. weil in den Schriften der Väter mit dem Gold Schlacken, mit den Edelſteinen Stoppeln, mit dem Süßteig der himmliſchen Lehre der Sauer⸗ teig menſchlicher Meinungen verbunden ſich finden.“ (Loc. de eccles. § 203.) Wir wiſſen alſo gar nicht, was alle Väter gelehrt haben, da viele ihrer Schriften verloren gegangen oder auch verfälſcht ſind. Sind doch z. B. ſelbſt zu den Locis von Gerhard kurz nach ſeinem Tode in der Frank⸗ furter Ausgabe manche verkehrte Sachen hinzugethan worden. Darum können die Väter nimmermehr Norm der Lehre ſein. Endlich beſteht die Autorität der Schrift auch 3. darin, daß ſie allein die rechtsgiltige Richterin in allen Religionsſtrei⸗ tigkeiten iſt. Das ſehen wir an dem Beiſpiel JEſu Chriſti Matth. 4, 4. 7. 10. Welch wunderbares Schauſpiel, das alle Engel und Erzengel mit Verwunderung ſahen, wie des lebendigen Gottes Sohn, wenn er mit dem Teufel kämpft, nur die Schrift anführt! Dreimal kämpfte Satan gegen ihn wegen der Lehre, daß Chriſtus Gottes Sohn ſei. Und dreimal ſpricht der HErr nur: „Es ſteht geſchrieben.“ Das dritte Mal mußte