# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S242 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 242 Welch' eine theure Gabe Gottes wir an unserer Synodalgemeinschaft haben. Bullinger und Pellican oder auch Bucerus selber." Er schreibt an die Frankfurter: „In Summa ist's mir erschrecklich zu hören, daß in einerlei Kirche und an einerlei Altar sollten beide Theile einerlei Sacrament holen und empfahen, und ein Theil sollte glauben, es empfahe eitel Brot und Wein, das andere Theil aber glauben, es empfahe den wahren Leib und Blut Christi."— „Etliche, nun sie sehen, daß der Karrn zu fern und tief in Schlamm geführt ist, drehen ihre Worte anders, behalten aber gleichwohl die vorige Meinung im Sinne und Brauche. Sagen mit dem Munde, es sey Christi Leib und Blut wahrhaftig gegenwärtig im Sacramente. Die heimliche Glosse und Verstand aber ist der, daß der wahrhaftige Leib und Blut Christi sey wohl gegenwärtig, aber doch nur geistlich und nicht leiblich; werde auch allein im Herzen mit dem Glauben empfangen, und nicht leiblich mit dem Munde, welcher empfähet eitel Brot und Wein wie vorhin. Siehe ist das nicht ein teufelisch Gaukelspiel mit den Worten Christi getrieben, und die einfältigen Herzen so schändlich um ihr Sacrament betrogen und beraubt." — „Ich rechne sie alle in einen Kuchen, wer sie auch sind, die nicht glauben wollen, daß des Herrn Brot im heiligen Abendmahl sey sein rechter und natürlicher Leib, welchen der Gottlose oder Judas ebensowohl mündlich empfähet als St. Peter oder ein Heiliger." Daß Luther recht gesehen hat, daß die Bucerisch⸗Calvinische Lehre kein wesentlicher Fortschritt gewesen ist, haben wir schon mehrfach gezeigt. Sie fand wohl ihren Platz auf dem Papier mehrerer reformirten Bekenntnisse, aber in das Herz der reformirten Kirche ist sie nie eingedrungen. So scharf auch in dieser Kirche die Aufsicht über die Lehre war, schärfer wohl noch wie in der Lutherischen, wie man das z. B. aus den Verhandlungen der Dortrechter Synode ersehen kann, und auch noch aus den interessanten „Handlungen, betreffend die Irrthümer J. J. Wetsteins" vom J. 1730, nie ist über der Calvinischen Lehre in ihrem Unterschiede von der Zwinglischen gehalten worden. Man fühlte richtig heraus, daß sie (wie ja schon der Consensus Tigurinus zeigt) ihre Bedeutung mehr nach außen als nach innen hat. Schon vor dem Aufkommen des Rationalismus war von Calvinischer Lehre in der Reformirten Kirche wenig zu spüren. Der vielgereiste Zinzendorf, gewiß ein unbefangener Beobachter sagt *): „In der reformirten Religion hält man, wo nicht in der Theorie, doch in der Praxis die Sacramente nur für gewisse heilige Ceremonien, dadurch eine oder andere heilige Sache bedeutet wird." ————◆———— Welch' eine theuere Gabe Gottes wir an unserer Synodal⸗ gemeinschaft haben. Dies lehren uns auch die folgenden trefflichen Worte der Ev. Kirchenzeitung recht erkennen, welche allerdings zunächst die Verhältnisse der preußi⸗ *) Jeremias, ein Prediger der Gerechtigkeit, Berlin 1830, S. 229.