# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 Verhandlungen der zehnten Verſammlung Nachdem nun die Veranlaſſung zu unſerem Thema dargethan war, ging die Conferenz zu den Beweiſen für das aufgeſtellte Thema über. Es iſt nämlich ſo verwerflich, Sachen des Glaubens aus den Schriften der Väter begründen und die Gewiſſen an die Lehrentſcheidungen derſelben bin⸗ den zu wollen, I. weil es ſchriftwidrig iſt; denn es iſt A. wider die nur der heiligen Schrift zukommende Autorität: a) allein die lautere Quelle aller Glaubenser⸗ kenntniß, b) allein die untrügliche Regel und Richtſchnur aller Lehren und Lehrer und c) allein die rechtsgiltige Richterin in allen Re⸗ ligionsſtreitigkeiten zu ſein. Es mag unnöthig erſcheinen, noch davon zu handeln, daß die Schrift dieſe dreifache Autorität habe. Denn das bekennen nicht nur wir, ſondern alle, welche Lutheraner ſein wollen. Auch die Ohioer leugnen das nicht ausdrücklich. Aber je allgemeiner ein Grundſatz angenommen iſt, deſto leichter wird auch dagegen gehandelt. Das zeigt die tägliche Erfahrung. Man meint: das verſteht ſich ja von ſelber, daß die Schrift die alleinige Quelle, Regel und Richterin iſt; das ſteht nun einmal feſt und niemand wird mir das zutrauen, daß ich das leugne. Und doch wird gerade in der Zeit des Streites das Princip am ſchnellſten verlaſſen. Z. B. Alle Chriſten wiſſen, daß die Hauptregel für ein chriſtliches Leben iſt: Du ſollſt Gott lie⸗ ben von ganzem Herzen und deinen Nächſten als dich ſelbſt. Jeder wird ſagen: glaubſt du, daß ich das nicht anerkenne? Und doch iſt's Thatſache, daß gerade dieſer Hauptgrundſatz der ſogenannten chriſtlichen Moral täglich und ſtündlich übertreten wird, ohne daß man es weiß. So ergeht es auch dem feſtſtehenden Grundſatz, daß die heilige Schrift eine ſolche Autorität hat, welche in der Welt nichts anderes hat. Und welches iſt dieſe Autori⸗ tät? Sie iſt erſtens allein die lautere Quelle aller Glau⸗ benserkenntniß, der einzige Brunnen, daraus die göttliche, lautere, ſeligmachende Wahrheit fließt und geſchöpft werden kann und ſoll. Zwar heißt es Pſ. 46. von der Kirche Gottes: ſie habe Brünnlein. Aber damit iſt nichts anderes geſagt als, ſie hat viele Schriften von Propheten und Apoſteln; es gibt ein Altes und Neues Teſtament. Das ſind die verſchie⸗ denen Brünnlein, die aber alle herausquellen aus dem Einen Brunnen Gottes. Zum Beweis dafür, daß die Schrift allein die lautere Quelle aller Glaubenserkenntniß iſt, führen wir zuerſt auf 5 Moſ. 4, 2.: „Ihr ſollt nichts dazu thun, das ich euch gebiete, und ſollt auch nichts davon thun, auf daß ihr bewahren möget die Gebote des HErrn, eures Gottes, die ich