# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Verhandlungen der zehnten Verſammlung wenig den wahren Glauben, wie derjenige, der in wiſſentlichen und muth⸗ willigen Sünden dahin geht. Darum kann das, was er Glauben nennt, ſei⸗ nen Irrthum auch nicht bedecken. Darum merke man ſich das Wort Luthers: „Wer ihnen (den Vätern) nun nachfolgete, der folgete zu ſeinem Verderben.“ Man beachte auch drittens, was Luther vom „chriſtlichen“ Irr⸗ thum ſagt. Die Papiſten ſagten: Nun, wenn die Väter geirrt haben, ſo haben ſie chriſtlich geirrt; da will ich denn auch chriſtlich irren. Da ſagt Luther: Das gilt nicht! Ein chriſtlicher Irrthum geſchieht aus Unwiſſen⸗ heit. Bin ich ein Chriſt, ſo kann ich gar nicht ſagen: ich will irren. Nein, ein rechtſchaffener Chriſt ſagt: ich will gar nicht irren, ſondern meinen Glauben auf Gottes Wort allein bauen. Jene aber, die den Vätern im Irrthum nachfolgen wollen, ſind gar keine Chriſten. Daher eben das ſchreckliche Wort Luthers: „Die folgen den Vätern nach“ (nämlich in die⸗ ſem Leben), „aber zu ihnen werden ſie nicht kommen“ (nämlich in den Him⸗ mel). Ja, fürwahr, es iſt ein bloßes Geſpenſt vom Glauben, wenn jemand ſagt: der fromme, weiſe, erleuchtete Mann glaubt das, darum glaube ich es auch, mag er immerhin irren, denn er irrt chriſtlich, das will ich denn auch thun. Wichtig iſt endlich, wie Luther nach unſerem Citat von den alten Kir⸗ chenvätern dachte. Er war der feſten Ueberzeugung, daß ſie ſelig geworden ſind, daß ſie nämlich, obwohl ſie ja viel Irrthümer hatten, wenn ſie dem Tode nahe kamen, alles über Bord geworfen und ſich allein auf das Blut JEſu Chriſti verlaſſen haben. Da hat denn das Feuer der letzten Todes⸗ anfechtung freilich das Holz, Heu, Stroh und Stoppeln verbrannt, es hat ihnen das nichts geholfen, vielmehr haben ſie dies alles fahren laſſen, aber ſie ſelbſt ſind auf dem goldenen geläuterten Grunde des theuren lauteren Evangelii ſtehen geblieben. Sagte doch Luther ſogar von Zwingli: er hoffe doch, daß er noch ſelig geworden ſei. Ja, ſelbſt von Thomas Aqui⸗ nas glaubte dies Luther, von dem er doch einmal ſchrieb: Es wäre, als wenn in dieſem Mann der Teufel Menſch geworden wäre, weil er nämlich ſo ein gewaltiger Verfechter und Verbreiter der päbſtiſchen Irrthümer war. Luther glaubte der Liebe nach, er habe ſich doch wohl ſchließlich allein an den HErrn JEſum gehalten. So ſind auch wir weit davon entfernt, unſere Gegner um ihres Irrthums willen verdammen zu wollen. Denn wir kön⸗ nen nicht in ihre Herzen ſehen. Aber ihre Lehre müſſen wir verdammen, gerade wie das St. Paulus Gal. 1, 8. thut. Es wurde nun auch berichtet, wie die Ohioſynode ihre obige Erklärung auf der Synode eingeſchränkt habe, nämlich erſtlich, daß ſie ſich damit nicht zu jedem Dogmatiker bekenne, denn es möchte einer da ſein, der das Intuitu fidei nicht habe. Und zweitens wurden die Worte: „im Großen und Gan⸗ zen“ ſo erklärt, daß ſich das nur beziehe auf die Wahllehre. Nicht zu jeden einzelnen Nebenlehren der Dogmatiker ſolle man ſich bekennen, ſondern im Großen und Ganzen zu dieſer ihrer Lehre von der Gnadenwahl.