# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S22 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 22 Verhandlungen der zehnten Verſammlung lehrt haben. Alle Laien, die kein lateiniſches Wort verſtehen, auch alle die Prediger, die ebenfalls nicht Lateiniſch können oder doch dieſe Väter nie geleſen haben, ſollen ohne Prüfung blindlings ſagen: Ja, wir gehen in dieſem Punkte mit den Lehrvätern. So etwas iſt in der Chriſtenheit, mit Ausnahme des Pabſtthums, noch nicht vorgekommen, daß die lieben ein⸗ fältigen Chriſten (und deren gibt's ja auch in der Ohioſynode ohne Zweifel viele) verführt werden zu glauben, was ſie gar nicht kennen. Die armen Farmer haben in ihrem Leben noch kein lateiniſches Buch in die Hand be⸗ kommen und ſollen nun eine Lehre, die zumeiſt in lateiniſchen Büchern dar⸗ gelegt und die ihnen daher gar nicht bekannt iſt, als ihren Glauben öffent⸗ lich und feierlich vor Gott und der ganzen Chriſtenheit bekennen! Nur im antichriſtiſchen Pabſtthum, wie geſagt, kommt das noch vor, daß man ſagt: Wenn du glaubſt, was die Kirche glaubt, ſo kannſt du dich zufrieden geben, wenn du es auch nicht weißt, was die Kirche glaube. Unter uns kann man die gute Meinung wenigſtens von den älteren Gemeinden haben, daß, wenn wir ein ſolches Anſinnen wie in der Ohioſynode an ſie ſtellen wür⸗ den, ſie uns ſagen würden: Seid ihr denn toll? Was wiſſen wir, was die Dogmatiker ſchreiben, und ihr wollt uns zu etwas verpflichten, was wir nicht geleſen haben? Es iſt ganz offenbar, daß unſere Gegner Abgötterei mit den Vätern treiben. Und Gott hat ſie dahinein fallen laſſen. Sie werden freilich ſagen, es falle ihnen nicht ein zu lehren, man ſolle ſeinen Glauben auf die Väter gründen. Aber wir fragen billig: Warum han⸗ delt ihr dann ſo? Warum habt ihr eure Leute dazu verführt, ſich zu den Dogmatikern zu bekennen, ohne daß ſie wiſſen, was darin gelehrt wird? Das heißt die Gemeinden beſchwindeln. Wenn man aber ſagt: Die Väter ſind doch gelehrter geweſen als ihr in der Synodalconferenz, darum iſt es doch ſicherer, mit ihnen zu gehen, als mit euch — ſo geben wir zwar ſelbſt⸗ verſtändlich ſogleich gern zu, daß wir nicht ſo gelehrt ſind; aber mit dieſem Grunde beweiſen ſolche Gegner gerade ihre greuliche Abgötterei, die ſie mit den Vätern treiben. Iſt es nicht erſchrecklich, zur Entſcheidung in Glau⸗ bensſachen abzuwägen, wer unter den Lehrern gelehrter iſt? Iſt das Glaube?! Nein, das iſt kein Glaube, das iſt Aberglaube. Man höre nur, was Luther hierüber ſagt: „Alſo ſagen auch jetzt die Papiſten: ſie glau⸗ ben, was die Kirche glaubt; und wie man von den Polen ſagt, daß ſie ſagen ſollen: Ich glaube, was mein König glaubt. . . Alſo ſagt man, wie ein Doctor habe einen Köhler zu Prag auf der Brücke aus Mitleiden, als über einen armen Laien, gefragt: Lieber Mann, was glaubſt du? Der Köhler antwortet: Das die Kirche glaubt. Der Doctor: Was glaubt denn die Kirche? Der Köhler: Das ich glaube. — Darnach, da der Doctor hat ſollen ſterben, iſt er vom Teufel ſo hart angefochten im Glauben, daß er nirgend hat können bleiben noch Ruhe haben, bis daß er ſprach: Ich glaube, das der Köhler glaubt. Wie man auch von dem großen Thomas Aquino ſagt, daß er an ſeinem Ende vor dem Teufel nicht hat bleiben kön⸗