# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 Verhandlungen der zehnten Verſammlung Berufung, dann die Rechtfertigung und endlich die Herrlichkeit des ewigen Lebens. Unſere Gegner aber kehren dieſe Ordnung um. Sie ſetzen als No. 1 die Berufung, No. 2 die Rechtfertigung und als No. 3 kommt bei ihnen das Verordnen. Damit verkehren ſie die göttliche Ordnung in dieſer Hauptſtelle der heiligen Schrift von der Wahl. Denn dieſelbe lehrt deut⸗ lich: die Urſache, warum ich berufen werde, warum mich Gott rechtfertigt und endlich ewig ſelig macht, iſt die: Gott hat mich dazu vorherbeſtimmt. So lehrt auch § 8 des 11. Artikels der Concordienformel. Eine zweite Grundſtelle der Schrift von der Wahl iſt Epheſer 1. Da heißt es: „Gott hat uns verordnet zur Kindſchaft gegen ihn ſelbſt, durch JEſum Chriſt, nach dem Wohlgefallen ſeines Willens.“ Man vergeſſe wieder nicht, daß verordnen heißt vorherbeſtimmen. Hier ſteht es wieder deutlich, daß wir zum Glauben vorherbeſtimmt ſind. Denn wie könnten wir ſonſt zur Kindſchaft verordnet ſein? Nur durch den Glauben bin ich ein Kind Gottes. Ich habe es alſo nach dieſem Spruch nicht mir ſelbſt, nämlich meinem Verhalten zu verdanken, daß ich ein Kind Gottes bin und dem Evangelio gehorſam geworden bin, ſondern das habe ich nur Gott zu danken, der da geſagt hat: dieſer elende nichtswürdige Sünder ſoll ſelig werden, ich will ihm den Glauben geben. Nur dieſe Barmherzigkeit Gottes, verbunden mit dem theuren Verdienſte JEſu Chriſti, ſind die beiden Urſachen meiner Erwählung. Daher es auch hier heißt: „durch Chriſtum“, das heißt nichts anderes, als um Chriſti willen, um ſeines Verdienſtes willen. Eine dritte Stelle iſt Joh. 15, 16.: „Ihr habt mich nicht erwählet, ſondern ich habe euch erwählet.“ Damit ſagt der Heiland ſeinen Apoſteln: In euch iſt keine Urſache, daß ihr erwählt ſeid, ihr habt den Anfang nicht gemach ; redet mir ja von nichts, das ihr dazu gethan hättet, damit ihr erwählt wurdet; ich bin die Urſache, meine Gnade hat euch erwählet. Die vierte Stelle iſt Joh. 15, 19.: „Wäret ihr von der Welt, ſo hätte die Welt das Ihre lieb; dieweil ihr aber nicht von der Welt ſeid, ſondern ich habe euch von der Welt erwählet, darum haſſet euch die Welt.“ Hier ſteht nichts davon, daß Chriſtus die Apoſtel von dem Stand des Glaubens her erwählt habe, ſondern von der Welt. Ich ſah in euch nichts als Welt⸗ ſinn; als Kinder der Welt habe ich euch von der Welt herausgeholt. Unſere Gegner dagegen laſſen Chriſtum ſo reden: Ich ſah erſt in euch den Glauben, euren von der Welt abgekehrten Sinn, euer bußfertiges Herz, kurz, ich ſah euch als liebe Kinder Gottes, und darum habe ich euch zur Seligkeit erwählt. Die fünfte Stelle iſt endlich Apoſt. 13, 48.: „Es wurden gläubig, wie viel ihrer zum ewigen Leben verordnet waren“; nach dem Griechiſchen: „ſo viel ihrer zum ewigen Leben verordnet geweſen waren“, d. h. ſchon von Ewigkeit, noch ehe ſie glaubten. Denn ſo viel ihrer ſchon von Ewigkeit zum ewigen Leben erwählt worden waren, ſo viele wurden auch in der Zeit gläubig.