# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 19 noch nicht an einem Ort behandelt und auseinandergeſetzt iſt und daß daher mancher Zuhörer verkehrte Gedanken darüber hat. Da kann ich nicht gleich ſagen: das iſt ein Ketzer. So dürfen wir nicht mit unſeren einfältigen Leuten handeln, aber ebenſo wenig auch mit unſeren Kirchenvätern. Es iſt nämlich auch ein großer Unterſchied zwiſchen früher und jetzt. Man ſagt uns nach, wir ſeien inconſequent, Gerhard und Andere vertheidigten oder entſchuldigten wir doch, und unſere Gegner nennten wir falſche Lehrer. Man bedenke aber: wenn zu Gerhards Zeit eine ſolche Kirchengemeinſchaft beſtanden hätte, wie jetzt, und es würde Jemand ihm geſagt haben: Mein hochwürdiger Herr, ich kann nicht begreifen, wie Sie das Intuitu fidei feſt⸗ halten können! und wenn er es ihm dann widerlegt hätte, ſo würde Ger⸗ hard gewiß nicht geſagt haben: Was? Wollen Sie es beſſer wiſſen, als ich? Aber wie dem auch immer ſein möge, wenn Jemand jetzt, wo dieſe Lehre durchgearbeitet und durchgekämpft iſt, doch bei dem Intuitu fidei bleibt, trotzdem es ihm als nicht richtig nachgewieſen und er von dem Ge⸗ wicht der Gegengründe in ſeinem Gewiſſen überzeugt worden iſt, der iſt ſicher ein falſcher Lehrer, der aus ganz anderen Gründen an ſeinem Intuitu fidei feſthält, als jene alten treuen Lehrer unſerer Kirche. — Das Thema nun unſerer Vorlage lautet: Wie verwerflich es ſei, Sachen des Glaubens aus den Schriften der Bäter begründen und die Gewiſſen an die Lehrentſcheidungen derſelben binden zu wollen. Die Urſache, warum gerade dies Thema der Ehrw. Synodalconferenz unterbreitet worden iſt, iſt dieſe: Vor vier Jahren ſtand innerhalb der Synodalconferenz ein Irrgeiſt auf, der ſich bereits einen ziemlichen An⸗ hang verſchafft hat. Derſelbe behauptet: die einzig richtige Darſtellung der Lehre von der Gnadenwahl ſei die, daß die Auserwählten intuitu fidei d. i. in Anſehung des Glaubens erwählt ſeien. Denn dies ſei die Lehre der rechtgläubigen Kirche der Vergangenheit, die Lehre aller unſerer Lehr⸗ väter. Diejenigen ſeien daher Calviniſten oder calviniſirten wenigſtens, die ſich dieſer Lehrform entgegenſetzten, die, wie wir, dieſelbe durchaus nicht annähmen, ſondern nur zwei Urſachen der Wahl ſetzten, nämlich die Barmherzigkeit Gottes und das Verdienſt JEſu Chriſti, und daher lehrten, daß nicht der Glaube der Wahl vorhergehe, ſondern im Gegentheil die Er⸗ wählung die Urſache des bis zum Tode beſtändigen Glaubens ſei. Aber nach Gottes Wort müſſen wir ſo lehren. Paulus ſagt: „Welche Gott verordnet hat“ (d. h. vorherbeſtimmt, wie dies alle, die Griechiſch können, zugeben werden), „die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht.“ Röm. 8, 30. Paulus ſtellt alſo auf den erſten Platz das Verordnen oder Vorherbeſtimmen, darauf folgt die