# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Verhandlungen der zehnten Verſammlung aber jemandes Werk verbrennen, ſo wird er deß Schaden leiden; er ſelbſt aber wird ſelig werden, ſo doch, als durchs Feuer.“ Der Apoſtel redet hier alſo nicht von Ketzern, denn die verlaſſen den Grund. Er redet von ſolchen, die da ſelig werden, deren Holz, Heu und Stoppeln irriger Meinungen ver⸗ brennen, ihre Edelſteine reiner Lehre aber bleiben. Wenn daher unſere Gegner jetzt ſchreien, wir machten die Kirchenväter zu Ketzern. ſo kann man ihnen getroſt ſagen: ihr ſeid Lügner! Wenn wir früher nicht ſo deutlich von den Fehlern der Kirchenlehrer geredet haben als jetzt, ſo bedenke man dies, daß wir ihre Schriften in Amerika erſt in unſer armes lutheriſches Volk hineinbringen mußten. Wie verſchrieen waren wir! Bald hieß es: ihr ſeid katholiſch! wegen unſerer Lehre von der Abſolution —, ihr ſeid unirt! wegen der Lehre vom geiſtlichen Prieſterthum —, ihr ſeid Schwär⸗ mer! wegen der Lehre von der Buße, Bekehrung, Wiedergeburt. Wie ſollten wir nun beweiſen, daß wir Lutheraner ſind? Mit der Bibel? Ja, unſere Lehre ſteht wohl in der Bibel, aber es ſteht nicht daneben: das iſt lutheriſch. Da mußten wir hernehmen die ſymboliſchen Bücher, Luther, Chemnitz, Gerhard ꝛc. Auf dieſem Wege iſt denn auch durch Gottes Gnade eine wahrhaft lutheriſche Kirche hier entſtanden, wofür wir Gott in Ewig⸗ keit nicht genug danken können. Dieſen theuren Vätern haben wir es, nächſt Gott, zu verdanken, daß uns Tauſende und aber Tauſende zugefallen ſind, Prediger, Laien und ganze Synoden. Dannhauer ſchreibt unter anderem: „Ein fundamentaler Glau⸗ bensartikel iſt derjenige, welcher entweder nothwendigerweiſe zum Glauben führt oder aus demſelben nothwendigerweiſe fließt.“ (Die Alten unter⸗ ſchieden nämlich uneingeſchränkte Glaubensartikel, d. i. ſolche, ohne welche Niemand zum Glauben kommen kann, — und Glaubensartikel im einge⸗ ſchränkten Sinn, d. i. ſolche, welche man wiſſen oder nicht wiſſen und doch im Glauben ſtehen kann. Letztere fließen erſt aus den andern.) . . . „Die letzteren Artikel können zwar unbeſchadet der Seligkeit unbekannt ſein und geleugnet werden, entweder vor geſchehener Offenbarung der⸗ ſelben (denn unbeſchadet der Seligkeit wußte Eva nicht, daß der Meſſias das Kind einer Jungfrau ſein werde, denn die Offenbarung, daß eine Jung⸗ frau die Mutter ſein werde, welche ſich Jeſ. 7. befindet, war noch nicht ge⸗ ſchehen; ferner Nathanael hat das Lob eines wahren Iſraeliten, obgleich er leugnete, daß der Meſſias aus Nazareth ſtamme), oder vor deutlicher und genügender Erklärung. Daher die fundamentalen Irrthümer in den Vätern, welche in noch nicht genug auseinandergeſetzte Streitigkeiten verwickelt wurden, als das Eis noch nicht gebrochen war, Flecken (naevi), nicht Ketzereien genannt werden. Aber nach geſchehener Offenbarung und Auseinanderſetzung können ſie unbeſchadet der Seligkeit weder unbe⸗ kannt ſein, noch geleugnet werden.“ (Christeis. Protheoria. p. 45.) Ein großer Unterſchied iſt daher, zu ſagen: Dies Buch enthält Ketze⸗ rei, oder: es enthält Flecken. Es kann ſein, daß in einer Zeit eine Lehre