# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 16 Verhandlungen der zehnten Verſammlung gehabt. Nehmen wir alſo Luthern zu Hülfe in der Auslegung der Augs⸗ burgiſchen Confeſſion, ſo folgen wir unſerm Bekenntniß. Dagegen ſagen die Philadelphier: von Luther wollen wir hier nicht reden, über ihn uns nicht weiter ausſprechen. Als früher Prof. Jakobs unter anderem auch unſere Lehre von Kirche und Amt verwarf und ſagte: nach Luther könne man ſich nicht richten, da entgegnete ihm im Jahre 1875 der heutige Rot⸗ tenführer unſerer Gegner: „Nicht die ſpäteren Dogmatiker bringen Licht und Klarheit in Luther, ſondern Luther bringt erſt das rechte Licht in die Dogmatiker.“ („Lehre und Wehre“, Jahrg. XXI. S. 311.) Man achte auch darauf, daß Luther ſelbſt immer in ſeinen Schriften Kirchenväter anführt. Im Bekenntniß vom Abendmahl fängt er mit Cy⸗ prian an und geht bis ins ſechste Jahrhundert. Trotz der Abgötterei, die im Pabſtthum mit den Kirchenvätern getrieben wurde, wollte er nicht das Kind mit dem Bade ausſchütten. Er hielt die Kirchenväter hoch als theure Männer, aber er ſah ſich auch ihre Schriften an cum judicio, d. i., mit geſchärftem Urtheil. Daher ſagt er: „Die alten Patres und Lehrer, als Auguſtinus, Hilarius, Ambroſius und Andere, ſoll man nicht gar verwerfen, ſondern in Ehren und werth halten (ob ſie gleich vielmals irren), wegen des Zeugniſſes des Glaubens, daß man dennoch in ihren Schriften ſehen kann, daß auch ſie an JEſum Chriſtum, gleichwie wir, gegläubet haben; wie denn die chriſtliche Kirche von Anfang der Welt eben alſo, wie auch wir jetzt, gegläubet hat. St. Bern⸗ hardus übertrifft in ſeinen Predigten alle andern Doctores, auch Auguſti⸗ num ſelber, denn er lehret Chriſtum ſehr fein. Wenn er aber in disputa- tiones geräth, ſo iſt er oft wider ſich ſelber, und widerfichtet, was er zuvor gelehrt und gepredigt hat, wird gar ein ander Mann, ſchreibt dem Geſetz und freien Willen allzuviel zu.“ (Erlanger Ausg. Band 62, S. 99.) Wenn ich alſo ſehe: der Mann glaubt von Herzen an JEſum Chriſtum, ſo ſoll ich ſeine Schriften nicht verachten, obwohl hie und da ein Sand⸗ körnchen falſcher Lehre ſteckt. Das ſind keine Ketzereien, ſondern Schwach⸗ heiten, Flecken. Dies alles haben wir nur deswegen unſeren Theſen vorausgeſchickt, um ein Zeugniß abzulegen, daß wir die gottſeligen Theologen nicht zu Ketzern machen und ihre Bücher nicht verdammen, ſondern ſie überaus hoch halten. Wie erſchrecklich wäre das auch, wenn wir mit einem Male zu unſeren Gemeindegliedern ſagten: Legt dieſe gottſeligen Bücher weg, ſie ſind verdächtig! Und ſie haben dieſelben bisher hochgehalten, aber wohl auch gemerkt, daß hie und da etwas nicht ganz richtig iſt. So iſt z. B. das Altenburger Bibelwerk ein überaus köſtliches Erbauungsbuch. Und doch wird wohl ſchon Mancher gemerkt haben, wenn es auf die Obrigkeit zu ſprechen kommt, daß es da derſelben viel zu viel gibt, wenn es z. B. von ihr verlangt, dafür zu ſorgen, daß reine Lehrer eingeſetzt werden. Damit hat die Obrigkeit als ſolche nichts zu thun. Denn Chriſtus ſpricht: „Mein