# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S11 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 11 anders geben, als wir armen Nachgebornen. Ihm ging es ja gerade ſo mit den Zwinglianern, wie uns heute mit unſern Synergiſten. Redete Luther vom Abendmahl, da ſprangen ſie auf die Lehre von der Himmel⸗ fahrt oder von der Zukunft Chriſti, ſo daß Luther ihnen zurufen mußte: Wir reden ja jetzt von den Worten: das iſt mein Leib! So auch unſere Gegner! Wenn wir von der Wahl der Kinder Gottes reden, ſo reden ſie von dem allgemeinen Rathſchluß von der Gnade, von der Rechtfertigung und vom Seligwerden durch den Glauben ꝛc. Wichtig ſind auch die letzten Worte Gerhards. Es ſoll nämlich nach denſelben ein Zuhörer nicht gleich denken, wenn ſein Paſtor einmal eine andere Auslegung einer Stelle gibt, als er in einem guten Buche geleſen hat: hier lehrt mein Paſtor falſch, — falls nur die Auslegung dem Glauben ähnlich iſt. Dann kann er ihm höchſtens ſagen: Ihre Lehre, Herr Paſtor, iſt wohl richtig, aber ſie ſteht nicht in dieſer Stelle, wie Sie meinen, ſondern in einer anderen; vorausgeſetzt nämlich, daß Letzteres wirklich der Fall iſt. Eine zweite Beweisſtelle für unſere Vorerinnerung iſt 1 Cor. 12, 7.: „In einem jeglichen erzeigen ſich die Gaben des Geiſtes zum gemeinen Nutzen.“ Eine koſtbare Stelle! — Die einzig nöthige Gabe für Chriſten, genug um in den Himmel zu kommen, iſt der Glaube. Hat er mehr Gaben, ſo iſt das gleichſam etwas Uebriges für Andere, denen er damit in Liebe dienen ſoll. Und der Apoſtel ſagt: „In einem jeglichen zum gemeinen Nutzen.“ Alſo, alle Gaben ſind da für alle Chriſten. Was folgt aber daraus? — Daß es eine greuliche Sünde iſt, die Gaben verachten; denn der Heilige Geiſt hat ſie mir und dir und allen gegeben; jeder ſoll des an⸗ deren Gabe gebrauchen zu ſeinem Nutzen. Darum, wer da ſpricht: Ich habe genug an meiner Bibel, geh mir mit deinem Luther, der verräth damit nur ſeine große Blindheit. Wie? haſt du denn noch nicht gemerkt, welche Gaben des Geiſtes in Luther ſind auch zu deinem Nutzen? Oder denkſt du, der Heilige Geiſt werde dich etwa auch ſo ausrüſten wie den Luther? Dies alles gilt nun aber auch von allen rechtgläubigen und begabten Lehrern der Kirche. Was Gott ſeit 1800 Jahren gottſeligen Lehrern an Gaben gegeben und durch ſeine große Güte in ihren Schriften uns erhalten hat, das ſoll Niemand verachten. Thut er das, ſo achtet er Gott nicht, der ihm ſolches in der Schrift gebietet. Und ein ſolcher wird, anſtatt immer heller zu ſehen, immer blinder werden. Wie Luther in ſeiner derben Weiſe von den faulen Kirchgängern oder geiſtlich hoffärtigen Verächtern des heiligen Predigtamts redet, die da ſprechen: ich habe meine Bibel zu Hauſe: Du lieſeſt den Teufel dir auf deinen Kopf, wenn du dabei das von Gott eingeſetzte Predigtamt verachteſt, und ſetzt dann hinzu, daß ſolche Gottes Wort auch in der Regel zu Hauſe nicht leſen oder ſie leſen's doch nur zum Verderben, es wird ihnen, wie der Apoſtel ſchreibt, ein Geruch des Todes zum Tode.