# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_August 1858_S240 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 240 Die Professoren Thomasius, Harnack und Delitzsch, gegen von Hofmann. hat der Zorn Gottes betroffen, so daß die Strafe nun vollzogen ist und nicht mehr vollzogen zu werden braucht, sondern die Uebel, in welchen sich Gottes Zorn wider die sündige Menschheit vollzieht, hat er in der mit seinem Heilandsberufe gesetzten Weise erlitten." Nicht für uns hat Christus den Zorn Gottes erduldet, sondern neben uns, und zwar also, daß der Zorn fortwährend über uns bleibt, bis wir ihn durch eigene That von uns abwenden. Es ist verwirrend, wenn v. H. gleich zu Anfang seiner Schrift sagt: es handele sich nicht darum, ob, sondern inwiefern der Welt Sünde in Christo gesühnt sey. Der radicale Widerspruch in Bezug auf das Wie trifft zugleich das Daß. Die v. Hofmann'sche Auffassung der Versöhnung ist durch keine feste Gränze von der gewöhnlichen rationalistischen, von Christo als dem frommen Dulder, dem Ideale des gottwohlgefälligen Sinnes, dem Tugendmuster, dem wir nacheifern sollen, geschieden, und muß auf die Dauer, trotz der hohen Redensarten, unausbleiblich zu ihr herabsinken. Von Christo zu uns führt keine Brücke herüber, er hat alles zunächst nur für sich gethan, wir müssen die Brücke selbst bauen, indem wir eingehen in den Sinn, der ihn zu solcher Selbstbewährung antrieb. Ob diese Bewährung die höchste denkbare, läßt sich sehr fragen. Hatte das Leiden Christi keinen stellvertretenden Charakter, kam es nur darauf an, „daß er sich unter alledem, was Gottes Zorn gegen die Sünde mit sich bringt, als den Heiligen bewährte," so wäre ein langes Leben in schmerzlichem Siechthum, so wäre z. B. der Aussatz eine wahrhaftigere Bewährung gewesen als der schmerzliche aber doch rasche Tod, so gewiß als der Kopf eines mit dem Aussatz Behafteten in der Monographie des Arztes Schilling de lepra mit Recht die Aufschrift führt: horridior morte, schaudervoller als der Tod. Der Quellpunkt der rationalistischen Versöhnungslehre ist eine oberflächliche Betrachtungsweise der Sünde. Die Ansätze zu einer solchen treten auch bei v. H. schon hervor. Er sagt: (S. 98) „Die Satanische Sünde ist Verneinung des göttlichen Willens schlechthin, weil er der göttliche ist, die menschliche aber widergöttliches Begehren eines vermeintlichen Gutes. — Den Menschen kann Gott überführen, daß das Gut ihres Begehrens keines ist, wodurch er Raum schafft für die Erkenntniß, daß er allein liebenswerth ist." Sitzt die Sünde nur auf der Oberfläche, so reicht die Ueberführung, die bloße Belehrung hin. Könnte man, wie H. thut, zwischen der Satanischen und der menschlichen Sünde wie mit dem Messer durchschneiden, so würde alles in Frage gestellt werden, was die Schrift von der Communication zwischen der Satanischen Sünde und der menschlichen sagt: wenn der Satan Gedanken ins Herz wirft, wenn er in den Menschen hineinfährt, wenn er bösen Samen ausstreut, wenn die Sünder den Teufel zum „Vater" haben und nach ihres Vaters Lust thun, so muß nothwendig zwischen der menschlichen Sünde und der Satanischen ein schauriger Zusammenhang stattfinden." ————◆————