# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S9 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 9 ſtäbler. Bei Luther iſt das ganz anders. Da merkt man (wenn auch nicht immer gleich): Luther iſt gründlich und tief. Er geht langſam vor⸗ wärts, aber ſo, daß die Sache immer heller, immer klarer, immer deutlicher wird. Er ſchlägt mit dem Hammer immer auf denſelben Fleck, aber den Nagel auf den Kopf, ſo daß derſelbe allmählich immer tieſer hineingeht. Hat doch vor einigen Jahren ſelbſt ein katholiſcher franzöſiſcher Prieſter mir zugegeben, alle Theologen in der römiſchen Kirche auf einem Haufen hätten nicht ſo klar und ſo zwingend nachgewieſen, daß der Leib Chriſti im Abend⸗ mahl gegenwärtig ſei, als Luther; hier ſei er noch von keinem ihrer Gelehrte⸗ ſten erreicht worden. Ein guter Ausleger zwingt ſeine Zuhörer, ihm zuzufallen. Der hat aber dieſe herrliche Gabe nicht, welcher ſeine Zuhörer nicht weiter bringt, als zu ſagen: Nun, es wird ja wohl ſo recht ſein, wie er ſagt; er iſt ja doch ein reiner Lehrer. Ein ſolcher wird bei ſeinen Zu⸗ hörern nicht die Frucht bringen, die der erreicht, der ſie nöthigt, die Richtig⸗ keit ſeiner Auslegung ohne Widerrede anzuerkennen. Und das iſt eben bei Luther der Fall. Zwar urtheilte der elende Zwingli nach dem Colloquium über Luther: er hätte weiter nichts gekonnt, als mit Kreide die Worte auf den Tiſch ſchreiben, und wenn er, Zwingli, ſeine Einwände gemacht habe, hätte Luther nur immer auf den Tiſch gezeigt: Siehſt du da nicht die Worte: das iſt mein Leib? Wie lächerlich das aber iſt, wird Jeder zugeben, der Luthers Reden kennt, welcher in ſeiner theologiſchen Kühnheit nach geführ⸗ tem Nachweis ſich ſogar zu dem Ausſpruch verſteigen konnte: Chriſtus müßte ja trunken geweſen ſein, wenn er beim Abendmahl ſo geredet hätte: „Das iſt mein Leib“, wenn ſein Leib doch vom Abendmahl abweſend ge⸗ weſen wäre. Darum kann derjenige nicht für einen Bibelverehrer anerkannt wer⸗ den, der da ſagt: Was menſchliche Schriften! ich leſe gar keine anderen Bücher, als die Bibel, — weil er den Befehl des Heiligen Geiſtes in der Bibel von ſich weiſt: „Die Weiſſagung verachtet nicht.“ Calov in ſeiner Biblia illustrata bezeugt auch, daß in 1 Theſſ. 5. Weiſſagung nichts anderes als Schriftauslegung bedeute. Folgendes ſind ſeine Worte: „Paulus ſchreibt: ‚Die Weiſſagung verachtet nicht‘, 1 Theſſ. 5, 20. Unter der Weiſſagung verſteht er nicht die Vorausſagung zu⸗ künftiger Dinge; denn wer weiß, daß daſelbſt ſolche Propheten geweſen ſeien? ſondern die Auslegung der Schrift, welche ehrenhalber ſo genannt wird, und damit guten Schriftauslegern ſowohl Würde als Autorität verſchafft werde, nicht, damit ſie den Propheten, welche aus Trieb des Heiligen Geiſtes zukünftige Dinge vorausſagen oder auch gött⸗ liche Geheimniſſe aus göttlicher Eingebung vortragen, dergleichen die außerordentlichen Propheten beider Gattungen waren, gleichgeſtellt werden ſollen; denn jene leuchteten durch göttliche Autorität; ſondern weil die Weiſſagungen der heiligen Schrift durch denſelben Geiſt erklärt werden müſſen, durch welchen ſie hervorgebracht und eingegeben worden