# Synodical Conference Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) der ev.⸗luth. Synodal⸗Conferenz von Nord⸗Amerika. 1884. 7 Gemeinden ſind auch damit vollkommen zufrieden geweſen und ſie ſind es noch. Wir würden erſtlich Gottes Zorn fürchten, wenn wir eine Lehre auf die Kanzel brächten, die nicht der heiligen Schrift entnommen iſt. Wir haben ferner aber auch je und je in unſeren Synoden, Paſtoralconferenzen, Zeitſchriften und Predigten Zeugniſſe aus menſchlichen Schriften herbeige⸗ bracht. Und endlich alle, die wir bei Gott in Gnaden ſtehen und regiert werden von ſeinem Heiligen Geiſte, haben hie und da auch ein Körnlein gefunden auf eigene Meditation unter herzlichem Gebet und aus eigener Erfahrung. Haben wir mit Letzterem etwa Gottes Wort hintenangeſetzt und unſe⸗ ren Glauben auf Menſchenautorität gegründet? Das ſei ferne! Unſere Ueberzeugung, ſo wolle es Gott, iſt vielmehr eine in der Schrift wohlge⸗ gründete. 1 Theſſ. 5, 20. heißt es: „Die Weiſſagung verachtet nicht.“ Allen fleißigen Bibelleſern wird es bekannt ſein, daß das Wort Weiſſagung in der Schrift nicht immer in dem Sinne von Vorausverkündigung zukünfti⸗ ger Dinge, von Prophezeiungen gebraucht wird, ſondern daß es auch be⸗ deutet: die Schrift auslegen. Dieſen letzteren Sinn hat es außer Zweifel auch hier. Denn gleich darnach, Vers 21., ſpricht Paulus: „Prüfet aber alles und das Gute behaltet.“ Wenn aber Propheten, durch den Heiligen Geiſt getrieben, von der Zukunft weiſſagen, da darf es nicht heißen: Aber prüfe es wohl! Denn wir können das gar nicht prüfen, ehe es erfüllt iſt. Wir wiſſen ja nicht einmal immer gewiß, was in der Prophezeiung ge⸗ meint iſt, und können nur nach ihrer Erfüllung ſagen: Ja, jetzt ſehen wir, was der Heilige Geiſt gemeint hat, denn es iſt alles buchſtäblich geſchehen. Es wäre aber ein Frevel zu ſagen: Nun wollen wir das prüfen und, was gut iſt, annehmen. Ein Chriſt nimmt das ohne Weiteres an. Denn das gehört zum Charakter eines Chriſten: er glaubt den Schriften der Apoſtel und Propheten. Wenn heute noch Gott einen ordentlich beglaubigten Propheten ſchickte, ſo müßten wir demſelben ohne Weiteres glauben. Ihn verwerfen, wäre eine Schmähung Gottes. Wenn aber ein Prophet des Neuen Teſtamentes zu einem Juden käme, der noch nicht wüßte, daß der⸗ ſelbe ein Prophet iſt, der müßte freilich ihn erſt prüfen. Daher wir das ſchöne Beiſpiel an den Beroenſern haben, die täglich in den Schriften des Alten Teſtamentes forſchten, ob ſich's alſo hielte, wie Paulus ihnen predigte. Hieraus folgt nun, daß in unſerem Spruch die Rede ſein muß von der Auslegung der heiligen Schrift. Da ſagt nun Paulus zu den Chriſten: Es iſt nicht genug, daß ihr in tiefſter Ehrfurcht im geſchriebenen Worte Gottes leſet, ihr dürft auch die Auslegungen gottſeliger Männer nicht ver⸗ achten. Er ſagt nicht: die müßt ihr ohne Weiteres annehmen, ſondern nur: verachtet ſie nicht. Denn annehmen ſoll ich bloß, was mit der Schrift übereinſtimmt. Daher heißt es auch Röm. 12, 7.: „Hat Jemand Weiſ⸗ ſagung, ſo ſei ſie dem Glauben ähnlich.“ Hat alſo Jemand die Gabe, die